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Aufsteiger. David Wallmann im Interview

David Wallmann gilt als aufstrebendes Talent im Skitouren- und Trailrunning-Sport. Im Interview verrät er, warum der Sport erst seit Kurzem zu seinem Leben gehört und wie es ist, mit Kilian Jornet zu laufen.

David, viele unserer Leser werden dich nicht kennen. Magst du kurz erzählen, was du so treibst?

Gerne! Mein Name ist David Wallmann und ich komme aus St. Koloman im Tennengau. Beruflich bin ich als Lehrer an der Polytechnischen Schule in Bischofshofen tätig. Sportlich nehme ich an Skitourenrennen und im Sommer an Trail-Wettkämpfen teil.

Du bist erst seit Kurzem im Leistungssport unterwegs. Was hat dich dazu motiviert?

Eigentlich hat es so angefangen, dass ich in meinem Freundeskreis einer der Langsamsten war. Egal, ob beim Wandern oder beim Skitourengehen. Ich hatte immer Probleme, mitzuhalten. Das war der ausschlaggebende Grund, warum ich schließlich „heimlich“ zu trainieren begonnen habe.

Warst du schon immer so sportlich und ehrgeizig?

Überhaupt nicht! Bis vor drei Jahren spielte ich zwar Fußball, jedoch wurde da viel gefeiert. Egal, ob Sieg oder Niederlage. Erst später habe ich mit dem Trailrunning und dem Tourengehen angefangen.

Was hast du aus der letzten, deiner ersten richtigen, Wettkampfsaison mitgenommen?

Dass ich jetzt meinen Körper ein wenig besser kenne und mir die Kräfte besser einteilen kann. Das Schwierige bei langen Rennen ist, von Anfang bis zum Ende das richtige Tempo zu finden. Ich habe das ein oder andere Mal Lehrgeld bezahlt. Nichts ärgert mich mehr, als im Ziel anzukommen und das Gefühl zu haben, dass ich mehr hätte herausholen können.

Die meisten Menschen gehen in die Berge, um abzuschalten. Wollen ohne Stress den Aufstieg und die Abfahrt genießen. Wie ist das bei dir?

Ich würde nicht sagen, dass dies bei mir anders ist. Ich bin immer ohne MP3-Player oder dergleichen unterwegs (außer am Beginn der Skitourensaison wegen der Schneekanonen), um bewusst die Umwelt um mich herum wahrzunehmen.

Wie kann man sich dein Training vorstellen?

Ich trainiere nicht anhand eines Trainingsplanes, sondern gestalte meine Einheiten eher nach Gefühl. Ich denke, das unterscheidet mich von vielen anderen. Ich habe nie im Hinterkopf: heute muss ich Intervalle machen. Sport und MUSS passen für mich nicht zusammen. Ich bin glücklich, weil ich mich bewegen kann. Sport zu betreiben ist ein Privileg für mich.

Wenn du morgens aufstehst und auf Berge läufst, was fühlst du dann?

Am meisten motiviert mich das Gefühl, das man verspürt, wenn man vor der Arbeit schon am Berg war. Es fühlt sich an, als wäre man allen anderen überlegen.

Wenn ich mich am Morgen an den Frühstückstisch setzte und genüsslich mein Porridge oder Müsli löffle, habe ich ein Panorama vor mir, das seines Gleichen sucht. Dann blicke ich auf den Hohen Göll, vielleicht einer der schönsten Berge, die es zu besteigen gibt. Dieser Anblick motiviert mich extrem. Ich kann gar nicht anders, als raus in die Natur zu wollen.

Du bist hauptberuflich Lehrer. Inwieweit hilft dir das beim Ausüben deines Sportes?

Der große Vorteil dieses Berufs ist, dass ich mir die Zeit sehr frei einteilen kann. Ich kann relativ viel bei Tageslicht trainieren. Jedoch bin ich auch oft bis 23 Uhr oder länger am Korrigieren von Schularbeiten oder mit der Unterrichtsvorbereitung beschäftigt.

Du bist diesen Sommer mit Kilian Jornet gelaufen. Was konntest du von ihm lernen?

Diese Aussage von Kilian fand ich sehr inspirierend: „Wenn die Bedingungen nicht gut sind, kehre um. Der Berg ist morgen auch noch da, aber ich vielleicht nicht“. Sie hat sich in meinen Kopf eingebrannt. Ein gewisses Risiko gehört zwar immer dazu, aber es sollte nicht unnötig durch äußere Faktoren strapaziert werden. Das Tolle am Bergsteigen ist, zu scheitern. So hat man die Motivation, weiter an sich zu arbeiten, bis man bereit für diesen Gipfel ist.

Du hast sicher schon mitbekommen, dass wir riesige Fans von Kilian sind. Unter uns: wie ist er so?

Ich konnte es selbst kaum glauben, aber ich habe einige Tage mit ihm und seiner Besseren Hälfte zusammen in einem Ferienhaus gewohnt. Er ist wirklich genau so, wie er sich in der Öffentlichkeit gibt. Immer gut gelaunt und irgendwie gibt es mit ihm immer etwas zu lachen. Sein Drang, sich in der Natur zu bewegen hat mich sehr inspiriert. Der Umstand, dass er nach einem 100-Meilen-Wettkampf am nächsten Tag kaum stillhalten konnte, sagt wohl alles!

Welche Highlights kommen in der Saison 2017 auf dich zu? Hast du besondere Ziele?

Für mich als österreichischen Skibergsteiger ist natürlich die „Mountain Attack“ in Saalbach das Highlight. Sie ist die perfekte Möglichkeit, um mich mit der Weltelite zu messen. Dann freue ich mich schon sehr auf die österreichischen und deutschen Meisterschaften im Skibergsteigen. Das sind alpine Wettkämpfe, bei denen auch das Abfahren im Gelände mit unserem leichten Material eine Herausforderung ist. Mein Ziel ist es, weiterhin mit so viel Freude in der Natur unterwegs zu sein.

Hast du zum Abschluss noch ein paar Trainingstipps für die Skitouren-Saison für unsere Leser?

Das Wichtigste ist, dranzubleiben. Man sollte regelmäßig etwas Gutes für seinen Körper tun. Und je öfter man unterwegs ist, umso leichter wird es. Wichtig finde ich vor allem, das Üben der Spitzkehren. Das steigert die Flüssigkeit im Aufstieg enorm. Wenn die Spitzkehre sitzt, macht das Skibergsteigen gleich viel mehr Spaß!

Vielleicht noch ein Tipp für die nächste Saison: Die Grundlagenausdauer sollte man bereits im Sommer aufbauen. So wird die erste Tour nicht zu einer Tortur. Und wenn die Motivation ganz abhanden kommt, hilft es auch, sich eine neue Ausrüstung zu gönnen. Dies habe ich schon oft in meinem Familien- und Freundeskreis beobachtet.

Danke für das Gespräch, David!

Die großartigen Bilder verdanken wir übrigens Daniels Freund und Trainingspartner Philipp Reiter.

4 comments on “Aufsteiger. David Wallmann im Interview

  1. Schönes Interview! Netter Typ! Weiter so! LG Sabrina

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  2. Dominic Mutthenthaler

    Wow so toll mein Bergsteiger lg Ben und Tom

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  3. cooles interview david!

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