Die einzige Hochtour der Berchtesgadener Alpen.
Diese Bergtour ist etwas Besonderes. Wegen der alpinen Kulisse, der sportlichen Herausforderung und weil sie außergewöhnlich ist: Sie ist die einzige Hochtour in den Berchtesgadener Alpen. Der Anstieg führt über den steilen Blaueisgletscher, das Blaueis, vorbei an hohen Felswänden, hinauf auf zwei markante Gipfel – den Hochkalter und die Blaueisspitze.
Die einzige Hochtour der Berchtesgadener Alpen verbindet Gletscher, leichtes Klettern und einen aussichtsreichen Grat zu einem Gesamtpaket, das Erfahrung und Konzentration erfordert und mit einem echten, alpinen Erlebnis belohnt. Eine Tour die du möglichst bald auf deine Liste setzen solltest – nicht nur aufgrund ihrer Schönheit, sondern auch wegen des Klimawandels.
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Toureninfos: Hochkalter & Blaueisspitze übers Blaueis
- Gebiet: Ramsau/Hintersee | Berchtesgadener Alpen
- Ausgangspunkt: Hintersee | Parkplatz Ausgangspunkt Blaueishütte > Anreise planen
- Anstieg: 1.900 Höhenmeter
- Abstieg: 1.900 Höhenmeter
- Distanz: 14 Kilometer
- Schwierigkeit: Firn bis 45°, UIAA II+ im Fels, seilversicherte Passagen C/D. Lange, alpine Bergtour mit Gletscheranstieg (Achtung Randkluft!), ausgesetzten Kletterstellen und anspruchsvollem Abstieg.
- Absicherung: keine bzw. kurze Drahtseilpassage (C/D) nach dem Übergang vom Firn in den Fels im Aufstieg zur Blaueisscharte.
- Wegbeschreibung:
Zustieg: Vom Parkplatz auf dem markierten Weg entlang des Forstwegs zur Blaueishütte oder ab dem Umkehrplatz über die Abkürzung durch den Wald (900 Hm). Von der Hütte entlang des markierten Wegs Richtung Hochkalter/Blaueisgletscher. Nun nicht nach rechts oben zum Hochkalter, sondern weiter geradeaus das Gletscherkar hinein bis zum Übergang in den Schnee.
Über den Blaueisgletscher in die Blaueisscharte: Flach hinein bis zur ersten Steilstufe. Diese überwindet man von rechts nach links über plattige Bänder. Je nach Schneelage nun durchgehend im Firn, oder über Gletscherschliffplatten aufwärts bis zum Steilaufschwung des Gletschers. Diesen geht man am besten von rechts nach links an und stapft die letzten Meter recht steil (ca. 45°) bis unter die Blaueisscharte hinauf. Unbedingt davor unten im Flachen Steigeisen & Helm anziehen und den Pickel bereitlegen.
Am höchsten Punkt des Gletschers befindet sich der Übergang vom Firn in den Fels (später im Sommer eventuell unüberwindbare Randkluft!). Über eine seilversicherte Passage (sehr steil, Schwierigkeit C/D). Gelangt man auf die Blaueisscharte zwischen Blaueisspitze und Hochkalter.
Blaueisspitze & Hochkalter: Zunächst linkshaltend über felsiges Gelände (I-II) zur Blaueisspitze. Von dort zurück zur Blaueisscharte und weiter auf den Hochkalter. Hier wählt man den Pfeiler links der markanten Gipfelschlucht (häufig Schneereste). Zuerst südseitig durch einen Kamin empor, dann eher nordseitig über den leichtesten Weg Richtung Gipfel (II+, ausgesetztes Gelände, loses Geröll).
Abstieg: Über den markierten Normalweg und den „Schönen Fleck“ (Stellen II) zurück zur Blaueishütte. Oder länger, vom Gipfel südwärts durch das Ofental (Stellen I) zurück zum Hintersee. - Exposition: Nord
- Den GPS-Track zur Tour findest du hier!
- Ein Topo zur Route gibt’s hier!
- Ausrüstung: leichte Bergschuhe, Leichtsteigeisen, Stöcke, Leichtpickel, Helm, eventuell Klettergurt & Klettersteigset zur Sicherung der Drahtseilpassage nach dem Gletscher.
- Beste Jahreszeit: Mai bis Mitte Juli
- Tipp: Am besten früh in der Saison gehen, da die Randkluft dann noch zu ist und gut überwunden werden kann. Später in der Saison ist die Kluft häufig so breit, dass ein Übergang zum Fels kaum mehr möglich ist!
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Hütte mit Eis
Es vergehen etwa 900 Höhenmeter, ehe diese Tour so richtig Lust macht. Dann nämlich hat man das steile Waldstück hinter sich gelassen und erreicht die Blaueishütte hoch über Ramsau. Der Blick weitet sich, die angestrebten Gipfelziele rücken in Sichtweite und auf der Sonnenterrasse wartet eine Erfrischung, ehe der anspruchsvolle Teil der Tour beginnt.
Die Blaueishütte liegt auf 1.653 Metern inmitten einer beeindruckenden Hochgebirgslandschaft und ist das Tor zur Hochkaltergruppe. Eingebettet zwischen steilen Felswänden, Latschen und schroffen Karen ist sie der zentrale Stützpunkt für Touren auf Hochkalter, Blaueisspitze, Schärtenspitze und Steinberg.

Von der Terrasse aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die umliegenden Gipfel, aber auch hinab ins Tal, wo der glasklare Hintersee schimmert. Empfehlenswert sind auf der Hütte die Kuchen und die Brettljause – mit den Portionen werden locker zwei Bergsteigermägen satt.
Alpine Kulisse am Rand des Blaueis
Wir behalten uns den Hunger für später auf und starten Richtung Blaueisgletscher. Dort, wo der Normalweg zum Schönen Fleck und Hochkalter abzweigt, halten wir die Spur und steuern geradewegs ins Kar hinein. An dessen oberstem Ende schlummert zurückgezogen der nördlichste Gletscher der Alpen – der Blaueisgletscher. Östlich vom Blaueis ragt die Blaueisspitze empor, westlich der Hochkalter.
Wie viel Eis noch unter uns liegt, lässt sich so früh in der Saison nur erahnen. Es sind hauptsächlich Schneereste, auf denen wir uns tiefer ins Kar vortasten.
Der nördlichste Gletscher der Alpen
Der Schnee ist weich und wir können ohne Steigeisen über die ersten, flachen Passagen stapfen. In der Mitte des Kares ragen schon jetzt im Juni Felsplatten aus dem Schnee. Wir überqueren den Gletscherschliff auf einer Rampe (Achtung loses Geröll) von rechts nach links. Darüber flacht das Kar nochmals ab. Der ideale Platz, um die Steigeisen anzuziehen, den Helm aufzusetzen, den Pickel parat zu legen und den Weiterweg zu studieren.

Das Blaueis im Kar zwischen Hochkalter und Blaueisspitze ist der nördlichste Gletscher der Alpen und einer der kleinsten Gletscher Deutschlands. Wie viele andere Gletscher in den Alpen ist auch er stark vom Klimawandel betroffen und in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen.
Deshalb wurde vielfach diskutiert, ob er noch als Gletscher im geophysikalischen Sinn gilt – weil er kaum noch Bewegung zeigt und nur noch teilweise Eisreste vorhanden sind. Wer diese Hochtour in den Berchtesgadener Alpen auf seiner Wunschliste hat, sollte also nicht mehr allzu viele Sommer verstreichen lassen.


Wo das Eis den Fels küsst
Mit Steigeisen unter den Sohlen steigen wir auf zum höchsten Punkt des Blaueisgletschers direkt in Falllinie unter der Blaueisscharte. Dort befindet sich der Übergang vom Firn in den Fels. Es ist noch früh in der Saison und wir können nahtlos den Untergrund wechseln. Später im Sommer findet man hier oft eine unüberwindbare Randkluft vor!
Der Name Blaueis stammt übrigens vom bläulichen Schimmer des blanken Eises, das im Spätsommer sichtbar wird. Die Neigung im oberen Bereich erreicht knapp 50 Grad – kein harmloser Firnrest also, sondern ein anspruchsvolles Gelände, das Kenntnisse im Umgang mit Steigeisen und Pickel erfordert.



Blaueisspitze & Hochkalter: Vom Blaueis in den Fels
Angekommen im Fels befreien wir uns von den Steigeisen. Überrascht stellen wir fest, dass mittlerweile eine Drahtseilversicherung bis in die Blaueisscharte hochführt. Diese ist zu Beginn extrem steil und erfordert eine solide Armkraft. Wer sich unsicher ist, packt lieber Klettergut und Klettersteigset ein, sollte sich aber bewusst sein, dass der finale Anstieg auf den Hochkalter nicht seilversichert und zwingend selbständig zu Klettern ist.
In der Blaueisscharte halten wir uns links und machen einen schnellen Abstecher auf die Blaueisspitze. Ein wunderbarer Aussichtspunkt und um vieles einsamer, als sein bekannter Nachbar, der Hochkalter.



Zurück in der Scharte wartet der für mich schönste Teil der Tour. Das Blaueis liegt mittlerweile tief unter uns, der Hochkalter noch vor uns. Links der markanten Gipfelschlucht (häufig Schneereste) klettern wir über einen markanten Pfeiler dem Gipfel entgegen. Man steigt entweder direkt am Beginn der Schlucht links in den Fels oder wählt südseitig einen Kamin. Ist die erste Steilstufe überwunden, suchen wir uns nordseitig den leichtesten Weg Richtung Gipfel (II+, ausgesetztes Gelände, loses Geröll, einige Steinmänner).




Abstieg über den Schönen Fleck
Für den Abstieg stehen zwei Wege offen: Jener durch das Ofental und der über den Schönen Fleck – seines Zeichens der Normalweg auf den Hochkalter. Wer sich für zweiteres entscheidet, darf sich über üppige Kuchenstücke und Brettljause auf der Blaueishütte freuen. Sollte sich aber auch bewusst sein, dass der Rückweg nochmals volle Konzentration verlangt. Der zieht sich nämlich auf beiden Varianten und es sind nochmals kurze Abkletterstellen (I-II) zu überwinden.
Welchen Weg man auch wählt, die zwei Gipfel verschmelzen am Ende des Tages zu einer anspruchsvollen Rundtour. Ist nur zu hoffen, dass sich das Blaueis mit dem Schmelzen noch etwas Zeit lässt, damit uns diese letzte Hochtour der Berchtesgadener Alpen noch länger erhalten bleibt.
Hochkalter übers Blaueis: Diese Ausrüstung war dabei
- Leichter Bergschuh: Scarpa Ribelle S HD
- Kletterrucksack: Mammut Trion 15
- Leichtsteigeisen: Edelrid Nemo
- Leichtpickel: Petzl Ride
- Helm
- Stöcke
- Erste-Hilfe-Set
- GPS-Uhr: Suunto Vertical Titanium
- Kleidung, Accessoires und Verpflegung

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Servus, liebe Berghasen. Vielen Dank für euren schönen Bericht – gilt auch für die übrigen Berichte auf eurer Seite – über diese einmalige klassische Tour. Und danke für die ‚Hochstufung‘ der Drahtseilpassage in der Rinne zur Scharte hoch – C/D dürfte es sehr gut treffen (an anderer Stelle wurde m.E. zu niedrig B/C vorgeschlagen; der untere Teil ist wie erwähnt sehr steil, zudem trittarm und geht ohne Eis-/Schneeauflage besser ohne Steigeisen, die evtl. oben für den Ostgrat zum Kalter rauf wieder dran müssen); bei schlechtem Schnee in den Gratrinnen gibt es nach meiner Erfahrung die früher schneefrei Variante, so weit südseitig (links) wie möglich bis zum Vorgipfel (letztes Steinmandl) in schöner Kletterei (II) aufzusteigen. Eure Einstufung der Tour als T4 ist recht sportlich (demnach wären z.B. der Kalternormalweg und die Watzmannüberschreitung T3). Da ein paar eurer Bilder auf eine Begehung in der ersten Maihälfte hindeuten (?), seien Kuchenliebhaber darauf hingewiesen, dass die Blaueishütte regulär in der zweiten Maihälfte aufmacht, d.h. bis dahin müsste der Kuchen selber mitgebracht werden 😉
Lieber Alois,
vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar – wir freuen uns immer sehr über fachliche Rückmeldungen zu unseren Artikeln! Wir haben die Tour vor zwei Wochen gemacht – einige Bilder im Artikel sind aber von unserer vorletzten Begehung von vor 3 Jahren. In der Schweizer Wanderskala wird die Schwierigkeit T4 folgendermaßen definiert: „Wegspur nicht zwingend vorhanden. An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Gelände bereits recht exponiert, heikle Grashalden, Schrofen, einfache Firnfelder und apere Gletscherpassagen.“. Ich finde, das trifft auf die Tour absolut zu. 🙂
Ganz liebe Grüße, Susi
Liebe Susi,
lieben Dank für deine Antwort! Überhaupt finden sich hier auf eurer Seite nur sachliche-kluge Antworten auf jegliche Art von Kommentaren – das sticht ungewohnt positiv heraus. Also, vom Fach bin ich überhaupt nicht, zumal ich erst in 9/2023 mit Ü50 zum Bergsport gekommen bin; ich geh‘ halt sehr oft auf und über den Watzmann und den Kalter, sommers wie winters, da das für mich als Münchner nahe liegt und leicht langt zu meiner alpinen Eigenausbildung; außerdem höre ich nicht auf, mich zu informieren und zu lernen. Die SAC-Scala habe ich bisher so verstanden, dass sie grundsätzlich ’nur‘ für Bergwege gilt, nicht für sog. Alpine Routen, in die die kleine Blaueisumrundung zweifellos fällt. Bei T4-Touren kann ich die Hände getrost in den Hosensäcken lassen, dachte ich bislang. Es gibt hier, glaub‘ ich, verschiedene (strenge bzw. weniger strenge) Ansichten/Bewertungen, insb. regional bedingt; der DAV Alpin-Lehrplan 1 (Bergwandern, Trekking) stuft z.B. den deutlich leichteren Hochkalternormalweg als T5 und die Watzmannüberschreitung und die Ehrwalder Sonnenspitze über Biberwierer Scharte je als T6 ein (für mich jeweils T4+ bzw. Sonnenspitze T5; wirklich T6 wäre z.B. der Jubiläumsgrat); Baur/Otto geben der kombinierten Kaltertour über’s Blaueis in „Felstouren im II. und III. Grad“ eine T6 (mit II, WS+/ZS-); die Blaueistour liegt im Anspruch m.E. spürbar über jenen Touren, ausgenommen Jubigrat (im Vergleich finde ich z.B. die Wiederroute und den Breithornsüdanstieg auch leichter). Wie auch immer.
So, ich bin jedenfalls dankbar für eure hilfreiche Website und für dein Buch „Fit für die Berge“. Jetzt muss ich mir bloß noch einen monatlichen Unterstützungsbeitrag ausdenken.
Viele liebe Grüße, Alois
PS: Vor zwei Wochen, als ihr die Tour gegangen seid, bin ich u.a. die Nordostwand auf die Schärtenspitze gegangen, den ersten Teil der Blaueisumrahmung – eine superschöne alpine Kletterei, sehr empfehlenswert.