Plötzlicher Herztod zählt zu den häufigsten Todesursachen im alpinen Gelände zählt – wie Prävention Leben retten kann.
Bergsport hat in den vergangenen Jahren einen Popularitätsschub erlebt. Jedes Jahr zieht es mehrere Millionen Sportbegeisterte in die Alpen – sei es zum Wandern, Bergsteigen, Klettern oder Trailrunning. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist das eine positive Entwicklung. Gilt Bergsport doch als gesund, naturverbunden und ausgleichend. Gleichzeitig zeigen aktuelle Unfallanalysen des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit (ÖKAS), dass Herz-Kreislauf-Unfälle mittlerweile zu den häufigsten nicht-traumatischen Todesursachen beim Bergsport zählen.
Unterstützt wird diese Entwicklung durch eine immer bessere Erschließung des alpinen Raums: moderne Infrastruktur, detaillierte Online-Tourenportale und Navigations-Apps. Auch die starke Präsenz alpiner Inhalte in den sozialen Medien hat die Berge so nahbar gemacht wie nie zuvor.
Diese zunehmende Zugänglichkeit bringt auch Risiken mit sich. Die körperlichen Anforderungen des Bergsports werden häufig unterschätzt – insbesondere, wenn Erfahrung, Training oder eine realistische Selbsteinschätzung fehlen.
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In diesem Beitrag sehen wir uns an, warum das Bergsteigen für unser Herz-Kreislauf-System eine enorme Belastung darstellt, in welchem Ausmaß Herz-Kreislauf-Unfälle beim Bergsport vorkommen und wie du solche vermeiden kannst.
Körperliche Anforderungen beim Bergsteigen
Im Vergleich zum Gehen in der Ebene erfordert das Bergaufgehen eine ausgezeichnete Ausdauerleistungsfähigkeit und ein hohes Kraftniveau. Je steiler wir ansteigen, umso mehr müssen wir gegen die Schwerkraft arbeiten und umso höher sind die physischen Anforderungen.
Der Sauerstoff- und Energiebedarf steigt bei gleichbleibender Gehgeschwindigkeit kontinuierlich mit der Steigung des Geländes an. Das bedeutet, dass die körperliche Leistungsgrenze beim Bergaufgehen viel schneller erreicht ist, als beim Gehen im Flachen. Zusätzlich erhöhen schwierige Wege die Anforderungen an Ausdauer, Kraft und Koordination.

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Herz-Kreislauf-Unfälle sind Todesursache Nr. 1 beim Bergsport
Das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit (ÖKAS) veröffentlicht unter analyse:berg jedes Jahr eine Statistik aller von der Alpinpolizei erfassten Alpinunfälle und Notfälle.
„Im Verlauf der letzten 10 Jahre sieht man deutlich, dass sowohl die Zahl der Unverletzten als auch der Verletzten beim Wandern kontinuierlich steigt. Das hat damit zu tun, dass immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind. Die Zahl der Toten hingegen bleibt aber erfreulicherweise nahezu gleich”, heißt es beim ÖKAS.
Im Bergsommer 2024 verzeichnete das ÖKAS in Österreichs Bergen 1.691 verletzte Personen und 120 Tote. Stürze, Stolpern oder Ausgleiten waren dabei beim Wandern die Verletzungsursache Nummer eins. Bei den Todesfällen hingegen ging ein Großteil auf Herz-Kreislauf-Störungen zurück – vor allem bei Personen ab 50 Jahren.
Risikogruppe: Männer 50+
Besonders betroffen sind Männer mittleren und höheren Alters mit bestehenden Risikofaktoren oder mangelnder Vorbereitung. Ungewohnte körperliche Belastung, besonders an den ersten Tagen der Bergsportaktivität, lange Belastungen ohne Pausen, unterschätzte Vorerkrankungen sowie mangelnde Energie- und Flüssigkeitszufuhr vor allem bei Hitze sind bedeutende Risikofaktoren.
Für mich ist das ein klares Zeichen, dass viele Bergsportler körperlich und technisch nicht ausreichend auf Touren im alpinen Gelände vorbereitet sind. Oder die Anforderungen, die eine Bergtour mit sich bringt, werden schlicht unterschätzt.
Regelmäßiges, sportartspezifisches Training und allgemeine körperliche Aktivität könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Unfälle beim Bergsport aber enorm senken.

auf Herz-Kreislauf-Störungen zurückzuführen. Quelle: ÖKAS
Wandern – der unterschätzte Sport?
Wenn wir über Risiken beim Bergsport sprechen, dann sind es Gefahren wie Lawinen, Abstürze oder Steinschlag, die uns als erstes in den Sinn kommen. Betrachtet man in diesem Zusammenhang wiederum die Unfallstatistik des ÖKAS, so erkennt man, dass sich die meisten tödlichen Unfälle im Sommer, und zwar bei der Disziplin Wandern/Bergsteigen (im Jahr 2024 waren das 41 % aller Todesfälle) ereignen.
Davon war die Herz-Kreislauf-Störung (27 %) die meistgenannte Unfall- bzw. Notfallursache (10-Jahre-Mittel: 24 %). Im Jahr 2024 kamen 86 Menschen aufgrund von internen Notfällen in Österreichs Bergen ums Leben, das sind 15 Personen mehr als im langjährigen Mittel (71). Zum Vergleich: 5 Prozent (16 Personen) verunglückten in einer Lawine tödlich.
Der Großteil (72 %) der Opfer durch Herz-Kreislauf-Versagen ist im Jahr 2024 der Altersgruppe von 51 bis 80 Jahren zuzurechnen. Es ist also die eigene körperliche Verfassung, die für viele Bergsportler das größte Risiko darstellt.
Auch Rettungseinsätze aufgrund von Erschöpfung haben laut ÖKAS in den letzten Jahren stark zugenommen. Hier bleiben zwar die meisten Personen unverletzt; diese Unfälle sorgen aber für viele Einsätze der Rettungsorganisationen. Und sie könnten durch eine gute körperliche Vorbereitung und Tourenplanung einfach vermieden werden.
Faktenbox
- Jährlich werden in Österreich rund 8.000 Alpinunfälle erfasst
- Herz-Kreislauf-Versagen ist die Haupttodesursache im Gebirge.
- Mehr als ein Drittel aller Todesfälle im Bergsport sind laut Alpenverein und ÖKAS auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückzuführen.
- Besonders gefährdet sind untrainierte Personen mit sporadischer körperlicher Belastung.
Nur fit in die Berge
Aufgrund der zuvor beschriebenen Anforderungen sind regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining unerlässlich für sämtliche Bergsportbegeisterte. Nicht nur, um die Tour wirklich genießen zu können und nicht überfordert zu sein, sondern auch, um Verletzungen, Überlastungen und Unfälle vorzubeugen.
Das betonte auch Susanna Mitterer vom ÖKAS beim Alpinforum in Innsbruck im November 2025: “Präventionsmaßnahmen sind Trittsicherheit, passende Ausrüstung und eine gute Tourenwahl, um z. B. Stürze zu vermeiden. Eine gute Fitness sowie Selbsteinschätzung und frühzeitiges Umkehren helfen gegen Erschöpfung und Herz-Kreislauf-Probleme. Zudem reduziert eine gute Touren- sowie Zeitplanung und ein Check der aktuellen Verhältnisse das Verirren.”
Herz-Kreislauf-Unfälle beim Bergsport: Training kann Risiko senken
Um dich wirklich gut auf deine Touren vorzubereiten, solltest du neben Tourenplanung und Ausrüstung nicht auf deinen eigenen Körper vergessen. Bergtouren sind ernsthafte, sportliche Unternehmungen, die eine ausgezeichnete Fitness verlangen.
Wie du dich körperlich aufs Wandern und Bergsteigen vorbereitest, zeige ich in diesem Artikel. Dort findest du die wichtigsten Trainingsempfehlungen, Kraftübungen und einen kostenlosen Trainingsplan. 👇
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WeiterlesenPrävention von Herz-Kreislauf-Unfällen beim Bergsport
Regelmäßiges Training zählt zu den wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Notfällen im Bergsport. Entscheidend ist dabei nicht nur eine gute Grundlagenausdauer, sondern auch die gezielte Anpassung des Körpers an die spezifischen Belastungen am Berg in Form von Krafttraining. Ebenso helfen intensive, aber kontrollierte Belastungsreize dabei, die Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems zu verbessern.
Wichtig ist ein langsamer und kontinuierlicher Trainingsaufbau. Die Intensität sollte schrittweise gesteigert werden, um Überlastungen zu vermeiden. Starte mit dem gezielten Training deshalb schon einige Wochen vor der Wandersaison.
Besonders für Menschen ab mittlerem Alter oder mit bekannten Risikofaktoren empfiehlt sich zudem eine sportmedizinische Untersuchung mit Belastungstest. Dabei können Leistungsfähigkeit, Herzrhythmus, Blutdruck und weitere wichtige Gesundheitswerte überprüft werden.
Checkliste Prävention
| Vor der Tour/Bergsaison | Während der Tour |
|---|---|
| Regelmäßige, sportliche Aktivität (2-3x pro Woche Ausdauertraining, 1-2x pro Woche Krafttraining) | Beginne mit kurzen, einfachen Touren und steigere dich langsam |
| Abklärung vorhandener Risikofaktoren beim Arzt | Starte gemütlich und bewege dich nur mit mäßiger Anstrengung |
| Sportmedizinische Untersuchung mit Belastungstest alle 3-5 Jahre | Berücksichtige deine individuellen Trainingszonen aus der sportmedizinischen Untersuchung/Leistungsdiagnostik |
| Jährliche Gesundenuntersuchung (ab 30) | Regelmäßige Pausen mit Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr (alle 20 bis 60 Minuten) |
| Ordentliche Tourenplanung (angepasst an deine aktuelle Leistungsfähigkeit und dein technisches Können) – weniger ist mehr! | Schütze dich vor Hitze oder Kälte |
| Realistische Tourenwahl | Gehe nicht krank auf Tour |
Vorbereitung mit Herz
Der Berg ist nicht das eigentliche Risiko – sondern mangelnde Vorbereitung, Selbstüberschätzung und ignorierte Warnzeichen. Wer regelmäßig trainiert, seine körperlichen Grenzen kennt und Touren realistisch plant, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Notfälle deutlich reduzieren.
Literaturliste
Deutscher Alpenverein. (2023, 1. September). Plötzlicher Herztod: Risiken kennen & richtig vorbeugen. Verfügbar unter: www.alpenverein.de/artikel/ploetzlicher-herztod_cf10ab04-91d6-4d62-8ca8-9bffa5dd7e95
Burtscher, M., & Niederseer, D. (2020). Sudden cardiac death during mountain sports activities. Dtsch. Z. Sportmed, 71, 286-292.
Legrand, F. D., Jeandet, P., Beaumont, F., & Polidori, G. (2022). Effects of outdoor walking on positive and negative affect: nature contact makes a big difference. Frontiers in behavioral neuroscience, 16, 901491.
Niebauer, J., & Burtscher, M. (2021). Sudden cardiac death risk in downhill skiers and mountain hikers and specific prevention strategies. International journal of environmental research and public health, 18(4), 1621.
Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit. (2024). Statistik Wandern & Bergsteigen Sommer 2024. Verfügbar unter: alpinesicherheit.at/statistik-wandern-bergsteigen-sommer-2024
Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit. (o. D.). Bericht 3.1: Wanderunfälle – Zahlen, Daten und Fakten. Verfügbar unter: https://alpinesicherheit.at/bericht-3-1-wanderunfaelle-zahlen-daten-und-fakten/
Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit. (2025, 10. April). Alpinunfälle in Österreich 2024 – ein Jahresrückblick. Verfügbar unter: https://alpinesicherheit.at/alpinunfaelle-in-oesterreich-2024-ein-jahresrueckblick/
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