Bergtouren Tourentipps

Hochwildstelle-Überschreitung: Schladminger Wasserspiele

Rauschende Wasserfälle, glitzernde Bergseen – bei der Überschreitung der Hochwildstelle findet man hinter jeder Ecke Abkühlung.

Gestärkt von einem reichhaltigen Frühstück im Falkensteiner Hotel Schladming starten wir voller Energie am Parkplatz Seeleiten unterhalb des Riesachsees zu dieser ausgedehnten Runde in den Schladminger Tauern. Vor uns liegen 1.900 Höhenmeter und 20 Kilometer durch eine von Wasser scheinbar geflutete Gebirgskette. Die Hochwildstelle (2.747 m) ist einer der markanstesten Gipfel der Schladminger Tauern. Bei Bergsteigern ist die Überschreitung der Hochwildstelle wegen ihrer Ausgesetztheit und dem fantastischen Rundumblick beliebt. Gleichzeitig ist die Hochwildstelle auch der höchste Gipfel, der rein auf steirischem Boden steht. Rund herum überragen sie nur der Hochgolling und der Hohe Dachstein.

Hochwildstelle-Überschreitung: Fakten zur Bergtour

  • Aufstieg: 1.850 Höhenmeter
  • Abstieg: 1.850 Höhenmeter
  • Länge: 20 Kilometer
  • Dauer: 5-8 Stunden
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Seeleiten im Untertal bei Schladming (Anfahrt über die Mautstraße kurz nach Rohrmoos)
  • Route: Parkplatz Seeleiten > Alpinsteig „durch die Höll“ entlang des Riesachfalls > Riesachsee > Preintalerhütte > über den Hochwildstelle Südgrat hinauf > Hochwildstelle > Hochwildstelle Nordgrat hinab > Neualm > Brandalm > Riesachsee > über die Forststraße zurück zum Parkplatz
  • Einkehr-Tipp: Kaltenbachalm
  • Schwierigkeit: konditionell und technisch anspruchsvoll

Unsere Rucksäcke sind heute herrlich leicht. Nur eine 250 ml Softflask steckt in den Fronttaschen unserer Laufwesten. Am Weg werden wir auf dieser Runde oft genug die Gelegenheit haben, unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Denn die Hochwildstelle-Überschreitung führt uns durch die wasserreiche Berglandschaft der Schladminger Tauern. Tosende Wasserfälle, kalte Bergseen und gurgelnde Bächlein werden unseren Weg säumen.

Die erste Attraktion dieser Schladminger Wasserspiele dürfen wir zu Beginn der Tour bestaunen: Der Riesachfall ist der höchste Wasserfall der Steiermark. Nach den starken Regenfällen am Vortag wälzen sich die Wassermassen heute besonders kraftvoll durch die Schlucht und stürzen tosend über mehrere Felsstufen hinab ins Untertal.

„Durch die Höll“: Entlang des Riesachfalls zum Riesachsee

Wir können das Wasser auf seinem Weg begleiten. Von unten nach oben, aus sicherer Entfernung über den Alpinsteig „durch die Höll“. Über steile Stufen steigen wir am Ufer des Wasserfalls höher. Mal führen uns Brücken auf die andere Bachseite und eröffnen gewaltige Tiefblicke auf den Riesachfall.

Die Gischt des Wasserfalls liegt in der Luft. Ich sauge sie tief in meine Lungen ein und fühle mich sofort von innen gereinigt. Das Steigen über die vielen steilen Stufen fällt mir gleich viel leichter. Nach 300 Höhenmetern entkommen wir der feuchten, lauten Schlucht.

Vor uns breitet sich der Riesachsee und mit ihm die Stille aus. Nur das Bimmeln der Kuhglocken wird vom Wind durch das Tal getragen. Der See schimmert tief blau. Wir beginnen zu laufen. Die Forststraße fällt zuerst leicht ab und führt dann am Ufer des Riesachsees flach ins Tal hinein.

Hochwildstelle Überschreitung
Angekommen am Riesachsee. Entlang der Forststraße laufen wir tief ins Tal hinein Richtung Preintalerhütte.
Hochwildstelle Überschreitung
Die Straße verläuft direkt am Ufer des Riesachsees.

Hochwildstelle-Überschreitung: Vom Riesachsee zur Preintalerhütte

Zuerst tosend und laut, dann sanft und still: Die Schladminger Wasserspiele ändern ihr Gesicht. Hier heroben liegt das Wasser ruhig im Riesachsee. Einige Bächlein gurgeln über die Grashänge und sorgen für Wassernachschub. Ein paar von ihnen überqueren wir über kleine Brücken und Stege.

Etwa vier Kilometer joggen wir entlang der Forststraße, bevor wir links auf den Steig zur Preintalerhütte abzweigen. Der Boden ist von den Regenfällen gestern stark aufgeweicht. Wir hüpfen von Steinplatte zu Steinplatte, um möglichst lange trockene Füße zu behalten.

Zwanzig Minuten später taucht die Preintalerhütte hinter Bäumen und mannshohen Sträuchern auf. Ein Wegweiser vor der Hütte weist Richtung Hochwildstelle. Die Hochwildstelle ist hier immer noch mit dreieinhalb Stunden angeschrieben. Wir sind optimistisch, es schneller zu schaffen und setzen unseren Weg fort.

Almrausch und rauschende Bäche

Nach der Preintalerhütte windet sich er Steig elegant über steile Almwiesen. 1.000 Höhenmeter fehlen noch bis zum Gipfel.

Auf den Blättern der Heidelbeersträucher glitzert der Morgentau. Disteln strecken ihre langen Stängel aus dem Gebüsch – ihre Blüten noch fest verschlossen. Allein die pinken Blüten des Almrauschs stechen unter den vielen Grüntönen hervor.

Hochwildstelle Überschreitung
Nach der Preintalerhütte. 1.000 Höhenmeter trennen uns noch von der Hochwildstelle.

Die Einsamkeit und Stille rund um die Preintalerhütte überrascht uns. Wir hatten zahlreiche andere Bergsteiger erwartet – ist die Überschreitung der Hochwildstelle doch eine der beliebtesten Touren in den Schladminger Tauern. Viele haben sich wohl vom unbeständigen Wetter abschrecken lassen.

Wir sind immer noch trocken und gewinnen flott an Höhe. Das Rauschen eines fernen Wasserfalls dringt in unsere Ohren. Bald entdecken wir, dass er vom Unteren Sonntagskarsee entspringt und über eine Steilstufe hinab Richtung Preintalerhütte fließt.

Zwischen den Sträuchern gluckert alle paar Meter ein kleiner Wasserlauf. Wir füllen unsere Trinkflaschen für den finalen Gipfelanstieg auf.

Ab einer Höhe von 2.000 Metern wird die Vegetation merkbar weniger. Die Blumen sind kleiner und strecken ihre Blüten nur noch zwei Finger breit in die Luft. Pflanzen suchen in Felsnischen Schutz. Und währen wir vorher gerade noch über federnden Erdboden gelaufen sind, gehen wir jetzt über glatte Steinplatten.

Hochwildstelle Überschreitung
Der Südgrat auf die Hochwildstelle ist nicht mehr fern.

Hochwildstelle-Überschreitung: Über den Südgrat (I) hinauf

Kurz vor dem Südgrat verschluckt uns der Nebel. Der Grat steigt zunächst sanft an und wird nach oben hin schmal und steiler. Das letzte Stück führt uns flach über mehrere Zacken dem Gipfel entgegen.

Hochwildstelle Überschreitung
Nebel umspielt den Südgrat. Wir befinden uns auf halber Wegstrecke der Hochwildstelle-Überschreitung.

Mal darüber kletternd, mal drum herum überwinden wir die Zacken. Die Feuchte des Nebels färbt den Fels heute fast schwarz, Flechten überziehen ihn und an manchen Stellen sind die Platten abweisend glitschig.

Die Tiefblicke bleiben uns heute verwehrt. Wir schweben in einer dichten Wolke dem Gipfel entgegen. Kurz müssen wir leicht klettern (UIAA I+), ansonsten ist der Südgrat auf die Hochwildstelle hauptsächlich Gehgelände. Schwindelfrei und trittsicher sollte man trotzdem sein, denn links und rechts des Grates fallen die Felswände einige hundert Meter tief ab.

Hochwildstelle Überschreitung
Hochwildstelle-Überschreitung: Am höchsten rein steirischen Gipfel.

Aus dem dichten Nebel zeichnet sich die Kontur des Gipfelkreuzes der Hochwildstelle ab. Höher geht’s heute nicht mehr. Den Rundumblick vom Dachstein über den Greifenberg zum Hochgolling stellen wir uns heute vor.

Trotz fehlender Aussicht hat der Aufstieg über den Südgrat richtig Spaß gemacht. Und die Tour ist ja zum Glück noch nicht zu Ende! Ganz im Gegenteil: 10 Kilometer liegen noch vor uns. Und auf der Kaltenbachalm wartet eine Jause zur Stärkung.

Hochwildstelle: Über den Nordgrat zurück zum Riesachsee

Weil wir die Hochwildstelle überschreiten wollen, steigen wir nicht wieder über Südgrat ab, sondern machen uns über den Nordgrat auf den Weg zurück zum Riesachsee. Technisch ist der Nordgrat weniger anspruchsvoll, als der Südgrat. Dafür länger, teilweise steiler und brüchiger.

200 Höhenmeter geht’s steil bergab, bevor uns an der Kleinen Wildstelle ein kurzer Gegenanstieg erwartet. Selbst, wenn es einen Weg drum herum gegeben hätte, wären wir nicht an der Kleinen Wildstelle vorbeigelaufen. Denn auch sie lockt mit einem sanften, gut laufbaren Grat, der uns zur Neualmscharte führt.

Hochwildstelle Überschreitung
Trailrunning vom Feinsten auf der Kleinen Wildstelle.

An der Neualmscharte halten wir uns links. Davor spähen wir noch kurz nach rechts auf den Obersee hinab. Unglaublich, wie viele Seen und Wasserstellen es hier gibt. Jede Mulde und jede Rinne scheint in den Schladminger Tauern mit Wasser gefüllt zu sein. Es reflektiert und glitzert hinter jeder Kuppe.

Jausenzeit auf der Kaltenbachalm

Einmal noch müssen wir kurz bergauf. Dann lassen wir es auf dem Downhill zurück zum Riesachsee krachen. Bei jedem Schritt spritzt uns das Wasser um die Ohren, so volltrunken ist der Almboden nach den letzten Regenfällen.

Im Wald oberhalb der Forststraße werden die Trails wieder trocken und wir laufen nur mehr wenige Minuten, bis rechts des Sees die Kaltenbachalm auftaucht. Wir lassen uns auf der Terrasse nieder, genießen den Blick auf den Riesachsee und bestellen beim Hias sein berühmtes Verhackertbrot und eine Preiselbeer-Buttermilch.

„Wieder das Spezialmenü“, scherzt Hias. Er weiß mittlerweile, was mir bei ihm schmeckt. Bereits das vierte Mal bestelle ich das gleiche und habe meine Wahl nie bereut. Auch Vroni ist begeistert vom Verhackertbrot. Und vom fluffigen Bauernkrapfen, den wir uns als Dessert gönnen.

Über die Forststraße hinab zum Parkplatz Seeleiten im Untertal

Vollends zufrieden und mit vollen Mägen raffen wir uns auf der Terrasse hoch. Der Abschied von der Kaltenbachalm fällt mir jedes Mal so schwer. Zu gerne würde man hier sitzenbleiben, bis die Sonne hinter den Baumkronen verschwindet und der Riesachsee pechschwarz vor der Hütte liegt.

Zum Glück ist der Rückweg nicht mehr weit. Etwa drei Kilometer spulen wir noch über die Forststraße ab. Der Alpinsteig „durch die Höll“ sollte nicht im Abstieg begangen werden. Der Weg ist schmal und meist stark frequentiert. Über die Forststraße verliert man kaum Zeit und muss auch keinen anderen Wanderern ausweichen.

#sportspastyle im Falkensteiner Hotel Schladming

Nach der Hochwildstelle-Überschreitung und den Schladminger Wasserspielen lockt heute noch der Wellness-Bereich im Falkensteiner Hotel Schladming. Wir strecken unsere müden Beine am Pool aus, regenerieren in der Bio-Sauna und lassen uns am Abend mit einem gesunden Menü verwöhnen. Sport, Entspannung, Natur und Genuss perfekt verbunden.

Falkensteiner Hotel Schladming
Entspannen nach der Tour im Falkensteiner Hotel Schladming. Bild von Peter Maier.

Im Zuge der #sportspastyle-Woche hatten wir an diesem Wochenende außerdem die Möglichkeit, an einem Vortrag und Rennrad-Coaching mit Extremradfahrer Michael Strasser teilzunehmen und uns bei einem Ernährungsworkshop Tipps für die ideale Verpflegung vor, während und nach dem Training zu holen.

An dieser Stelle möchten wir uns für die Gastfreundschaft im Falkensteiner Hotel Schladming bedanken. Und dir noch diese Touren-Tipps aus der Region Schadming-Dachstein mitgeben!

Diese Touren in der Region Schladming-Dachstein musst du gemacht haben

Der Dachstein und die Schladminger Tauern bieten natürlich unzählige Möglichkeiten, um sich am Berg auszutoben. In den vergangenen Jahren waren wir des Öfteren in der Region und können dir diese Touren empfehlen:

3 Kommentare zu “Hochwildstelle-Überschreitung: Schladminger Wasserspiele

  1. Michael Würdinger

    Liebe Susi,
    leider hat sich unsere „Berggruppe“ durch den allzufrühen Tod eines Bergkameraden und Freundes aufgelöst, er wurde bei einer leichten Tour auf der Hochplatte im Chiemgau urplötzlich von den „Berggeistern“ heimgeholt.
    Es war immer ein Wunsch von ihm, das er in seinen geliebten Bergen einmal von dieser Welt geht, aber es war viel zu früh. Danach war ich fast immer allein, bzw. mit meiner Partnerin oder Bekannten unterwegs, allerdings in den Dolomiten (Sennes/Fanes). Seit dem allzufrühhen Tod meiner Partnerin mache ich fast nur noch Klammwanderungen.
    liebe Grüße, Michael

  2. Michael Würdinger

    Ich war vom 02.07. bis 04.07.1997 mit 7 Bergkameraden aus Niederbayern auf der Preintalerhütte und wir haben am zweiten Tag diese Wanderung zur Hochwildstelle angegangen, allerdings lag damals ab 2000m noch bis 3m Schnee und die Gumpen waren nur zu erahnen. Als wir beim Südgrat über die Hochwildstelle ankamen, wehte vom Lungau ein Sturm, der eine Überquerung des Südgrates sehr gefährlich gemacht hätte, so sind wir ohne eine Besteigung wieder umgekehrt und über den unteren und oberen Sonntagskarsee wieder zurück zur Preintalerhütte, Franz der damalige Hüttenwirt hatte sehr lobende Worte für uns, dass wir vernüftig waren und nichts riskierten. Am nächsten Tag regnete es leider und so stiegen fünf Kameraden und ich wieder über die Riesachfälle zum Parkplatz ab, zwei Kameraden liesen es sich nicht nehmen und gingen über den Greifenberg zur Gollinghütte, wo wir anderen sie bereits erwarteten. Trotz dem tielweise unbeständigen Wetter waren es drei wunderschöne Tage und Erlebnisse. die ich trotz meines Alters noch einmal machen möchte.

    • Lieber Michael,

      vielen Dank für deine Schilderungen. Es ist auch für uns sehr spannend zu hören, wie es anderen bei der Tour ergangen ist. Es war sicher kein Fehler, am Südgrat umzukehren. Zumal es teilweise doch recht ausgesetzt ist. Auf jeden Fall würde es sich lohnen, wenn ihr nochmals kommen würdet! Gerade jetzt ist die Zeit perfekt für Touren in den Schladminger Tauern, weil überall das Wasser sprudelt, der Schnee aber schon geschmolzen ist.

      Wir würden uns sehr freuen, wenn du dich meldest, sobald ihr die Tour vollendet habt. 🙂

      Liebe Grüße, Susi

Hinterlasse uns eine Nachricht!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Du kannst diesen Text nicht kopieren. Wenn du den Beitrag drucken möchtest, verwende Strg+P.
%d Bloggern gefällt das: