Bergtouren Touren

Romsdalseggen: ein Grat zwischen Fjord und Berg

Der Norwegische Wanderverein hat die Überschreitung des Romsdalseggen zur schönsten Bergtour Norwegens erklärt. Zurecht.

Das Romsdalen. Es ist die Wiege des skandinavischen Alpinismus. Wilde Kletterrouten und anspruchsvolle Bergtouren bahnen sich hier ihren Weg durch steile und ausgesetzte Felswände. Die Aushängetour der Gegend ist die Überquerung des Romsdalseggen – eine 15 Kilometer lange Gratwanderung über vier Gipfel. Die Überschreitung des Romsdalseggen erfreut sich in Norwegen ähnlicher Beliebtheit wie etwa die Watzmann-Überschreitung in Deutschland.

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Der Norwegische Wanderverein (DNT) hat die Wanderung über die Bergkette vor einigen Jahren zur schönsten Bergtour Norwegens erklärt. Wir können nur zustimmen. Die Tour hat alles, was ein ambitionierter Bergwanderer sucht: sie bietet konditionelle und technische Herausforderung und belohnt die Anstrengung mit einem unvergleichlichen Panorama über eine Berg- und Fjordlandschaft. Hat man den ersten Gipfel erreicht, schweift der Blick von den berühmtesten Gipfeln des Romsdalen bis zu den Fjorden im Norden. Eintausend Meter unter dem Gratrücken schlängelt sich der Fluss Rauma durch das Tal.

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Ausgangspunkt der Wanderung

Ihren Anfang und ihr Ende nimmt die Wanderung im Städtchen Åndalsnes, das direkt am Romsdalsfjord liegt. Der Romsdalseggen erstreckt sich unmittelbar südöstlich der kleinen Hafenstadt. Der eigentliche Ausgangspunkt der Wanderung liegt im benachbarten Vengedalen, etwas mehr als zehn Kilometer von Åndalsnes entfernt. Die Tour über den Grat ist als Ein-Richtungs-Wanderung angelegt und verläuft aus dem Hinterland des Romsdalen über den Hausberg von Åndalsnes zurück ins Stadtzentrum.

Zum Start gelangt man am einfachsten mit dem Bus. Dieser fährt täglich um 9:30 Uhr vom Bahnhof in Åndalsnes ab. Die Tickets für den Bus kosten etwa 15 €. Man kann sie Fahrtantritt bei der Touristeninformation im Bahnhofsgebäude kaufen. Euer Auto könnt ihr in der Zwischenzeit kostenlos am Hafen abstellen. Schöne Stellplätze für Camper findet man direkt am Hafen.

Auf zum ersten Gipfel – Blånebba

Der Bus zum Ausgangspunk im Vengedalen ist meist gut gefüllt. Er bringt die Besucher über eine Mautstraße zu einem kleinen Parkplatz. Von dort aus ist die Bergtour über den Romsdalseggen gut ausgeschildert. Die Wanderung beginnt gleich mit einem steilen Anstieg auf ein Plateau. Das Feld zieht sich nach den ersten 400 Höhenmetern auseinander und schon bald wandert man einsam auf einen Sattel zu.

Am Plateau kann man zwischen der originalen und einer abgespeckten Variante der Tour wählen. Die einfache Route umgeht die ausgesetzten Stellen des Grates, ist aber ähnlich lang. Wer am Berg trittsicher unterwegs ist und keine Angst vor schwindelerregenden Tiefblicken hat, sollte unbedingt den Normalweg wählen.

Der Wegweiser der Originalroute führt uns in einem weiteren Anstieg über einfache Kletterpassagen auf einen Sattel hinauf. Der Grat ist erreicht und ein Großteil der 1.100 Höhenmeter bereits überwunden.

Der Grat präsentiert sich hier noch angenehm breit. Dennoch können wir ihm schon erste Tiefblicke ins Romsdalen entlocken. Der Fluss Rauma schlängelt in vielen Kehren auf den Atlantik zu. Seine tiefblaue Farbe Ton in Ton mit dem Himmel und dem Fjord, in den er mündet. Rings herum ist der Talboden mit gelben, hellgrünen und dunkelgrünen Weideflächen und Feldern ausgepflastert.

Am Bergsattel kann man sich entweder rechts halten und die Gratwanderung Richtung Åndalsnes fortsetzen. Oder, wenn deine Beine noch keine Ermüdungserscheinungen zeigen, einen Abstecher auf den Blånebba (~ 1.320 m) unternehmen. Dazu halten wir uns links und wandern über größere und kleinere Felsblöcke flach und zum Schluss in einem kurzen Anstieg bis zum Gipfel. Der höchste Punkt der Wanderung ist erreicht.

Ganz am äußersten Rand des Romsdalseggen angekommen, kann man endlich jene Gipfel bestaunen, für die jährlich tausende Kletterer und Bergsteiger ins Romsdalen pilgern. Der spitz aufragende Store Vengetind, das Romsdalshorn mit seinem flachen Gipfelplateau, oder die Steilwand der Trollveggen (Trollwand), durch die Europas längste Kletterroute führt.

Am Grat entlang

Wir kehren dem Blånebba den Rücken und setzen die Gratwanderung fort. Den Fjord immer fest im Blick, zur linken das Romsdalen mit seinen Felswänden, die schwindelerregend steil ins Leere fallen. Bevor man zum nächsten Gipfel aufsteigen kann, muss man kurz in eine Scharte abklettern. Die erste ausgesetzte Passage der Tour – allerdings mit Seilen versichert.

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Von der Scharte aus hat man erneut einen grandiosen Blick auf die Rauma und den weiteren Verlauf der Route. Der Felsrücken verengt sich nun mehr und mehr zu einem schmalen Grat. Etwas rechts des Grates wandert man nun wieder bergauf zur Schlüsselstelle der Tour. Zwei aufeinander folgende Felsstufen müssen in leichter Kletterei überwunden werden. Der ein oder andere Wanderer bekommt beim Anblick der abschüssigen Felswände weiche Knie und klammert sich an die Drahtseile, die sich über die Blöcke winden. In wenigen Schritten erreicht man den nächsten Gipfel: den Mjølvafjellet, der mit einem großen Steinmann gekennzeichnet ist.

Vom äußersten Rand des Grates blicken wir erneut hinab ins Romsdalen. Das Tal verbreitert sich hin zum Fjord immer mehr und gibt dem Fluss Platz für seine Mündung. Von hier aus kann man sogar das Nachbartal einsehen, durch das sich die berühmte Touristenstraße Trollstigen in vielen Serpentinen emporschlängelt. Die Gipfel Bispen und Kongen blitzen aus Nebelschleiern hervor.

Abstieg nach Åndalsnes

Der weitere Weg führt jetzt stetig bergab. Die grandiose Aussicht bleibt dieselbe. Die Berge im Hintergrund schrumpfen, während der Fjord immer mehr ins Blickfeld rückt. Am Weg in das Städtchen streifen wir noch zwei kleine Gipfel und müssen an ihnen kurz empor steigen, bevor der wirkliche Abstieg nach Åndalsnes beginnt. Schritt für Schritt verschwindet das grandiose Panorama hinter den Bäumen. Die Füße tappen rhythmisch auf große Steinplatten. Sherpas aus Nepal haben den Steig hier für Wanderer ausgelegt.

Der Abstieg über den Steinpfad zieht sich. 700 Höhenmeter müssen die ohnehin schon müden Beine noch abfangen. Von einer Aussichtsplattform kann man einen letzten Blick über Åndalsnes und den Fjord werfen. Wenig später findet man sich im regen Treiben der Kleinstadt wieder.

Tourdaten

  • Länge: 15 Kilometer
  • Höhenmeter: 1.100
  • Dauer: fünf bis sieben Stunden

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