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Die Laktat-Lüge

Laktat zwingt den Sportler in die Knie, weil es den Muskel sauer macht. Weit gefehlt. Wir räumen auf mit dem Mythos Laktat und zeigen euch, was es wirklich drauf hat.

Ihr kennt das Gefühl: Voller Motivation startet ihr los. Tretet ordentlich in die Pedale oder hastet den ersten Anstieg der Wanderung hoch. Noch bevor ihr richtig warm werdet, kommt ihr außer Atem und die Beine werden schwer. Um den nächsten Schritt zu tun, müsst ihr das Tempo drosseln. Schuld ist das Laktat, das vielen auch als Milchsäure bekannt sein dürfte. Nicht ganz.

Was den Muskel sauer macht

Der saure oder basische Charakter eines Gewebes oder einer Flüssigkeit wird durch den pH-Wert angegeben. Der pH-Wert wiederum ist abhängig von der Konzentration von Wasserstoffionen. Befinden sich viele Wasserstoffionen in einer Flüssigkeit, oder in unserem Falle im Muskel, sinkt der pH-Wert. Das Milieu wird sauer.

Der Muskel hat normalerweise einen pH-Wert von 7,0 – gleich wie reines Wasser – und ist damit pH-neutral. Bei starker körperlicher Beanspruchung kann das Milieu des Muskels sauer werden. Das heißt, es kommt zu einer Anhäufung von Wasserstoffionen (H+).

Saurer Muskel mag nicht mehr

Das bloße Abfallen des pH-Werts im Muskel von 7,0 auf 6,8 hat große Folgen für die Energiegewinnung. Zahlreiche Enzyme, die etwa für den Transport von Nährstoffen gebraucht werden, stellen ihre Tätigkeit ein. Der Muskel kann nicht mehr so viel Energie produzieren, wie er bräuchte, um die schnelle Gehgeschwindigkeit aufrecht zu erhalten oder die hohe Last am Fahrrad zu treten. Die Intensität muss zurückgefahren werden, will man die Bewegung fortsetzen.

Was hat das Laktat damit zu tun?

Nichts. Dem Laktat wurde lange nachgesagt, für die Übersäuerung des Muskels verantwortlich zu sein. Sieht man allerdings genauer hin fällt auf, dass bei der Produktion von Laktat überhaupt keine Wasserstoffionen anfallen. Viel mehr noch: ein Laktatmolekül nimmt bei seiner Entstehung sogar ein Wasserstoffion auf und wirkt damit einer Übersäuerung entgegen.

Laktat als Treibstoff 

Laktat hat nicht nur nichts mit der Übersäuerung des Muskels zu tun, es kann sogar als Treibstoff dienen. Wenn die Laktat-Konzentration im Blut ansteigt, wird es etwa die bevorzugte Energiequelle des Herzens. Laktat ist sozusagen Schokolade für unseren Herzmuskel.

Auch in den Skelettmuskel selbst kann aus Laktat direkt wieder Energie gewonnen werden. Benötigen es die Muskeln gerade nicht, wandelt die Leber Laktat in Zuckermoleküle um. Und Zucker ist bekanntermaßen unser wichtigster Energielieferant. Ein perfekter Kreislauf.

Woher kommen die Wasserstoffionen dann?

Wenn Laktat nichts mit der Anreicherung von Wasserstoffionen im Muskel am Hut hat, wodurch wird der Muskel dann sauer?

Mit zunehmender Intensität einer Bewegung sinkt die Energie, die der Körper aus Fett gewinnen kann. Das liegt an der unzureichenden Sauerstoffaufnahme bei starker Belastung. Je schneller du läufst, umso mehr musst du atmen. Irgendwann reicht der Sauerstoff nicht mehr, den du dem Körper über die Atmung zuführst.

Der Körper hat aber auch Möglichkeiten, ohne Sauerstoff an Energie zu kommen. Bei diesen Prozessen wird weniger Fett verbrannt, dafür vermehrt Kohlenhydrate. Diese Art der Energiebereitstellung wird Glykolyse genannt. Kohlenhydrate können sowohl mit, als auch ohne Sauerstoff abgebaut werden. Erfolgt der Abbau ohne Sauerstoff, entsteht als Nebenprodukt Laktat. Gleichzeitig fallen aber auch immer mehr Wasserstoffionen an. Lakat verursacht also keine Übersäuerung des Muskels, es wird nur parallel produziert.

Man darf aber nicht glauben, dass Laktat nur bei sehr hohen Belastungen anfällt. Der Körper produziert ständig Laktat. Selbst während ihr jetzt gemütlich diesen Artikel lest. Aber wie wir gerade gelernt haben, ist das gar nicht schlimm, sondern sogar notwendig.

5 comments on “Die Laktat-Lüge

  1. Hi Sue,
    dass wusste ich noch nicht. Mir stellt sich aber nun die Frage wieso wird bei Spitzensportlern ständig der Laktat gemessen, z.B. bei Radsportlern auf der Rolle sogar mehrmals in der Stunde. Ich habe da noch so ein hässliches Bild im Kopf von Julius Gerdemann, mit Sauerstoffmaske und Kanüle im Arm beim Belastungstest. Oder habe ich da was falsch in Erinnerung, das Blut nur über das Ohr oder den Finger genommen wird?
    Grüße
    Oliver Huber

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    • Hallo Oliver! Das kommt daher, dass Laktat ein Parallelprodukt des anaeroben Stoffwechsels ist. Es befindet sich direkt an der Schnittstelle zwischen aeroben (mit O2) und anaeroben Energiebereitstellungsprozess. Die Menge an Laktat im Blut gibt darum Auskunft, in welchem Bereich man sich gerade befindet.
      Genau, da hast du ganz recht. Normalerweise wird das Blut aus dem Ohrläppchen abgenommen und die Menge an Laktat bei einer bestimmten Intensität gemessen.

      Liebe Grüße!

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  2. Pingback: Muskelkater: woher er kommt und was hilft |

  3. Wieder was dazugelernt!
    Liebe Gruesse Monika

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