Bergtouren Touren

Watzmann: ein Grat, drei Gipfel, ewige Liebe

Der Watzmann hat mich schon immer fasziniert. Mit 2.713 Metern ist er zwar nur der zweithöchste Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Sein markantes Profil sticht aber schon von weitem ins Auge.

Die Watzmannüberschreitung gilt als klassische und meist begangene Route auf diesem Gebirgsstock. Bei schönem Wetter und guten Bedingungen tummeln sich deshalb täglich hunderte Bergsteiger auf seinem Grat.

Als Watzmannüberschreitung bezeichnet man den Weg über die drei Gipfel des Hauptkammes: Hocheck (2.651 m), Mittelspitze (2.713 m) und Südspitze (2.712 m). Klassisch wird die Überschreitung von Nord nach Süd begangen, man kann sie aber auch in entgegengesetzter Richtung gehen. Bei der Überschreitung des Watzmanngrates handelt es sich um eine sehr anspruchsvolle, hochalpine Tour.

Die Gesamtstrecke der Überschreitung des Watzmannmassivs beträgt 22,5 Kilometer und überwindet insgesamt 2.389 Höhenmeter. Offiziell werden als Gehzeit zwölf bis 14 Stunden angegeben, Rekordjäger haben die Route aber auch schon in gut drei Stunden bewältigt. Von Rekorden und Hetze wollen wir nichts wissen, Genießen wollen wir – die Aussicht, den Berg und die Überschreitung.

Erfahrungsbericht zur Watzmannüberschreitung

Wir starten an der Wimmbachbrücke in Ramsau und wollen am Nachmittag über das Watzmannhaus zum Hocheck aufsteigen, um dort zu Biwakieren. Nach 1,5 Stunden erreichen wir das Watzmannhaus. Hier genießen wir bei einem Weißbier die Aussicht auf die tolle Bergkulisse.

Kurz vor 18 Uhr steigen wir die letzten 700 Höhenmeter bis zum Hocheck auf. Der Gipfel empfängt uns mit Stille und einem atemberaubendem Ausblick. Den Trubel am Watzmannhaus haben wir hinter uns gelassen. Den Sonnenuntergang genießen wir mit drei anderen Bergsteigern. Mehr brauche ich in dem Moment nicht, um glücklich zu sein.

Die Überschreitung

Am nächsten Morgen brechen wir um 6 Uhr zur Überschreitung auf. Der Grat liegt noch einsam vor uns. Wir haben den Berg eine kurze Zeit für uns alleine. Vor allem auf einer so überlaufenen Route sind das seltene Momente des Genusses. Der Weg über den Grat ist anspruchsvoll und teilweise sehr ausgesetzt.

Entgegen vieler Berichte ist die Tour über den Watzmanngrat kein Klettersteig! Der Grat ist nicht durchgehend mit Drahtseil versichert und die Seile sind oft in unterschiedlicher Höhe angebracht. Dies erschwert das Umhängen der Karabiner. Hinzu kommt, dass die Seile nicht an den schwierigsten und aller ausgesetztesten Stellen angebracht sind. Sollte sich jemand in derartigen Situationen unsicher fühlen, ist es sinnvoll, die nötige Erfahrung und das Selbstvertrauen an einfacheren Routen zu sammeln.

Wer dem Grat gewachsen ist, hat von dort aus einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berge. Auf der westlichen Seite begleitet uns der Hochkalter, auf der ostseitig der Schneibstein und der Hohe Göll. Nach zwei Stunden erreichen wir die Südspitze. Hier verweilen wir ein wenig – weiden unsere Blicke an der Bergkulisse, die vom Flachland bis in die Hohen Tauern reicht. Gigantisch!

Der Abstieg

Der Abstieg ins Schönfeld ist sehr steil und mit kleineren Kletterpassagen durchzogen. Durch loses Geröll kommt es hier immer wieder zu Steinschlag. Wir halten uns deshalb an der Südspitze nicht allzu lange auf. So können wir das steile Stück noch vor den anderen Bergsteigern passieren und laufen nicht Gefahr, von losgetretenen Steinen getroffen zu werden.

Da wir schon um 10 Uhr im Tal sind, entscheiden wir uns, nicht den klassischen Weg über das Wimmbachgrieß zu nehmen, sondern über St. Bartholomä und den Rinkendlsteig entlang des Königsees bis zur Kührointalm zu wandern. Dieser Weg ist zwar länger als der über das Wimmbachgrieß, dafür aber landschaftlich viel eindrucksvoller. Von der Abzweigung ins Wimmbachgrieß sind es noch einmal knapp 400 Höhenmeter hinauf auf einen Sattel, bevor es im Tal durch die Saugasse runter an den Königssee geht. Der Wald im unteren Teil des Tals erweist sich an diesem heißen Augusttag als idealer Schattenspender.

In St. Bartholomä angekommen machen wir eine Pause, bevor es auf die letzten Kilometer geht. Hier herrscht reges Treiben. Ganz schön befremdlich nach der Ruhe am Berg. Von St. Bartholomä bis zur Kührointalm sind noch einmal 800 Höhenmeter zu bewältigen. Dann geht es ein letztes Mal bergab zum Auto.  Um 19 Uhr erreichen wir endlich den Parkplatz an der Wimmbachbrücke in Ramsau. 

Nach fast 10 Stunden reiner Gehzeit und über 3.000 abgestiegenen Höhenmetern, sind wir müde und glücklich. Insgesamt war es eine wunderbare Tour und jedem zu empfehlen, der Ausdauer und genügend Bergerfahrung mitbringt!

Wer den Watzmann liebt, wird den Hochkalter vergöttern. Seht euch die Tour auf den Zwilling des Watzmanns an. 

Tourdaten

  • Länge: 22km
  • Höhenmeter: 2.389 hm
  • Dauer: 12-14 Stunden
  • Anmerkung: nicht für Anfänger geeignet, kein Klettersteig.

10 comments on “Watzmann: ein Grat, drei Gipfel, ewige Liebe

  1. Auf jeden Fall eine tolle Tour, die wir vor einer Weile auch schon abgehakt haben. Hut ab vor dem Umweg beim „Abstieg“.
    Aber noch kurz in den Klugscheißmodus: Der Watzmann ist nicht der höchste Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Das ist – auch wenn er in Österreich liegt – der Hochkönig.
    Weiter so! Liest sich sehr cool bei euch!

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  5. Liebe Berghasen. Danke für eure Inspiration. Wir waren das 3.Septemberwochende da. Hütte voll, aber euer Tipp mit dem Biwakieren war goldeswert. Wir haben es genossen.

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    • Liebe Karin,

      freut uns sehr, dass du die Tour auf den Watzmann genießen konntest. Wir wünsche dir noch einen schönen Bergherbst.

      Grüße,

      Vroni & Susi

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  6. Ein sehr schöner Bericht, der die Tour mal wieder in Erinnerung ruft!

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    • Vielen Dank Ralf! Wir stolpern auch immer wieder drüber und überzeugen uns selbst, dass der Watzmann ein Fixpunkt in jedem Bergjahr sein soll 🙂

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  7. Pingback: WATZMANN WANDERN: BERGHASEN INTERVIEW MIT SUSI & VRONI - WATZMANN WANDERN

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