Klettern Tourentipps

Kaiserliche Kante: Christakante (VI+) am Wilden Kaiser

Die Christakante am Christaturm ist mein erster Alpinkletter-Klassiker am Wilden Kaiser.

Ich tausche heute meinen Freund Tom gegen Tom Rabl von Pure Mountain. Tom ist Bergführer, am Fuße des Kaisergebirges zuhause und wird mich bei winterlichen Verhältnissen über die Christakante (VI+) auf den Christaturm führen.

Die Christakante ist eine der bekanntesten und beliebtesten Kaiser-Routen des klassischen Stils. Tom kennt dort, wie auch bei allen anderen Koasa-Klassikern jeden, Klettermeter. Für mich ein beruhigendes Gefühl, sind die Verhältnisse aufgrund des letzten Schneefalls doch sehr anspruchsvoll. Die Christakante ist übrigens meine erste alpine Kletterroute am Wilden Kaiser – aber besser spät als nie!

Dass die Region rund um die Kitzbüheler Alpen und St. Johann in Tirol ein echtes Kletterparadies ist, war mir natürlich bewusst. Preuß, Dülfer, Buhl oder Rebitsch haben hier ihre Linien hinterlassen, am Fleischbankpfeiler wurde 1977 mit der Route Pumprisse der erste 7er in den Alpen eröffnet und die Gratanstiege auf die Goinger Halt, die Fleischbank, den Predigtstuhl und die Ellmauer Halt gelten als Paradeeinstiege in die Welt des alpinen Kletterns.

Wenn du dir einen Überblick über das Gebiet machen willst, schau mal auf der Website von Markus Stadler vorbei. Er hat fast jede Kletterroute im Wilden Kaiser dokumentiert.

Wilder Kaiser: Klettern am Christaturm

Der Christaturm steht fast unscheinbar neben den berühmten Koasa-Größen. Eingepfercht zwischen Fleischbank, Totenkirchl und Hinterer Karlspitze fällt er erst auf den zweiten Blick auf. Dabei ist er vom Ellmauer Tor aus gesehen eine imposante Felsnadel, die fast 200 Meter steil in die Höhe ragt.

Christaturm
Imposante Felsnadel. Der Christaturm vom Ellmauer Tor aus gesehen.

Für Kletterer spannend ist die Ostwand des Christaturms. Großteils findet man hier guten Fels, einige Passagen sind aber auch brüchig. Die linke Begrenzung der Ostwand ist die Südostkante beziehungsweise Christakante. Sie ist eine der beliebtesten Klettertouren im Wilden Kaiser – die vielen Begehungen sieht man ihr leider schon etwas an. Denn die Schlüsselstelle der Route ist ziemlich poliert.

Christakante (VI+) am Christaturm

Die Christakante am Christaturm ist eine beliebte Alpinkletterroute am Wilden Kaiser. An den schwierigeren Stellen leider abgespeckt, ist sie aber immer noch eine lohnende Linie! Im Mittelteil gibt es eine Direktvariante (zwei Seillängen), die griffige, etwas schwierigere und sehr schöne Kletterei im oberen 6. Grad verspricht!

Routeninfos zur Christakante am Christaturm

  • Schwierigkeit: VI+ (V A0), zwei Stellen V-, überwiegend IV. Direktvariante im Mittelteil VI+
  • Charakter: Alpinkletterroute des klassischen Stils. 1929 von Ploner und Aschenbrenner erstbegangen.
  • Absicherung: alpin, Standplätze gebohrt (Ringhaken), nur an den schwierigeren Stellen einzelne gebohrte Zwischenhaken
  • Ausrüstung: 2x 50 m Doppelseil, mittlere Friends, 8 Expressschlingen, Köpfelschlingen
  • Wandhöhe: 200 Meter
  • Kletterlänge: 300 Meter
  • Ausrichtung: Südost
  • Zustieg: 2 h (900 Höhenmeter) von der Wochenbrunner Alm (Mautstraße & Parkplatz) über das Ellmauer Tor. Vom Ellmauer Tor leicht absteigend an den Fuß der markanten Kante queren. Oder vom Kaiserbachtal in Kirchdorf in 1.000 Höhenmetern über den Eggersteig zum Ellmauer Tor.
  • Abstieg: Vom Gipfel westseitig mit Doppelseil 50 Meter in die Christascharte abseilen. Wer mit Einfachseil abseilt kann 25 Meter leicht abklettern. Dann gegenüber entlang von roten Punkmarkierungen und Pfeilen ca. 50 Höhenmeter Richtung Karlspitze aufsteigen. Den Markierungen folgend nach links wieder absteigend zum Abseilstand (Achtung bei Schnee und Nässe). Es gibt hier zwei Abseilstände. Wir nehmen den ersten. 3x 50 Meter zum Wandfuß abseilen.
  • Topo

Eintrittspforte in den Wilden Kaiser

Das Ellmauer Tor ist die Eintrittspforte in die Kletterwelt des Wilden Kaisers. Dorthin steigen Tom und ich hinauf, den auch der Christaturm mit der Christakante liegt hinter dieser magischen Tür. Während uns beim Weggehen am Parkplatz der Wochenbrunner Alm noch fröstelt, ist uns 15 Minuten später an der Gaudeamushütte schon warm.

Ellmauer Tor
Durch Latschen, später durch Geröll geht’s hinauf zum Ellmauer Tor – unsere Eintrittspforte in die alpine Kletterwelt des Wilden Kaisers.

Der Steig führt uns zunächst durch Latschen, dann über Geröll in den Koasa hinein – später ist er unter knietiefem Schnee kaum mehr erkennbar. Tom weiß auch so, wo es langgeht. Wobei: verlaufen können wir uns kaum. Denn links und rechts des Kares wachsen die Kalkwände der Goinger Halt und der Karlspitzen in die Höhe und grenzen das Ellmauer Tor nach Osten und Westen ab.

Während wir Stapfen gibt mir Tom eine Einführung ins alpine Klettern am Wilden Kaisern. Nicht ins Klettern per se – das kann ich zum Glück schon – sondern in die Gipfel und die Routen, die durch diese gewaltigen Wände führen. Die Dülfer-Führe in der Fleischbank Ostwand und die Wiessner Rossi direkt vor uns. Zur Rechten der Nordgrat auf die Hintere Goinger Halt – ebenso ein Klassiker wie die Alte Westwand am Bauernpredigtstuhl.

Ellmauer Tor
Vom Wandfuß am Christaturm blicken wir zurück ins tief verschneite Ellmauer Tor.

Das Schauen lenkt vom Stapfen ab und so erreichen wir fast mühelos das Ellmauer Tor (1.970 m), von dem wir am Wandfuß der Hinteren Karlspitze entlang leicht absteigend zum Christaturm queren.

Alternativ kann man sich dem Ellmauer Tor auch von der Nordseite nähern. Dann steigt man in 1.000 Höhenmetern aus dem Kaiserbachtal über den Eggersteig auf.

Steiler Dreier

Der Einstieg der Christakante – ein markanter Pfeiler – ist selbst im Schnee schnell ausgemacht. Die Route beginnt mit vier Seillängen leichter Kletterei vorwiegend im dritten und vierten Schwierigkeitsgrad. Einen Dreier muss man im Koasa schon klettern, das lerne ich gleich auf den ersten Metern. Steil pfeift der Pfeiler in die Höhe und Haken stecken kaum. Aber darüber muss ich mir heute keine Gedanken machen. Denn Tom steigt vor und ich kann mich aufs Nachklettern und Bilder machen konzentrieren. Was für ein Genuss!

Wir halten uns im unteren Teil an die Originallinie und nehmen nach der ersten Seillinie die linke Variante, weil wir dort dem Neuschnee besser ausweichen können.

Kombiniertes Felsklettern an der Christakante

Ganz entkommen wir dem Schnee aber doch nicht. Die Rinnen und leichten Passagen sind dick mit Neuschnee bedeckt und so wird die erste Hälfte der Christakante zu einem kombinierten Felskletterabenteuer.

In der vierten Seillänge wechselt Tom auf die Bergschuhe, holt seinen Leichtpickel vom Rucksack und stapft durch die knietiefe Schneerinne, bis er an der gegenüberliegenden Felsrippe wieder Fels unter den Schuhen hat.

Der ist in den leichten Passagen nicht immer fest, die Kletterei macht aber trotzdem Spaß. „Wenn mir das als Bergführer nicht taugen würde, hätte ich den falschen Beruf“, lacht Tom die Wand herab.

Dann stehen wir vor einem steilen Turm. Gerade empor verläuft eine Variante im oberen 6. Grad, rechts die leichtere Originalroute. Wir entscheiden uns für die Variante, denn der Fels sieht vom Standplatz gesehen fest, griffig und trocken aus.

Christakante Christaturm
Steiler und griffiger Fels an der Christakante. Tom im Vorstieg in der direkten Variante (VI+) in der 6. Seillänge.

Kaiserliche Kante

Wir werden mit zwei Seillängen toller Kletterei belohnt. Die Christakante wird nach oben hin mit jedem Klettermeter exponierter. Spätestens vor der Schlüsselstelle hat man tatsächlich das Gefühl, auf einer Kante zu klettern.

Links und rechts pfeift’s ordentlich hinab, von unten herauf strahlt uns der Neuschnee entgegen und die warme Herbstsonne wärmt uns die Finger und den Rücken.

Der Wintereinbruch hat zweierlei Positives: er sorgt für eine wilde Szenerie und die kühlen Temperaturen für halbwegs Grip an der Schlüsselstelle. Die Schlüsselstelle ist eine kurze Passage im oberen 6. Grad und leider ziemlich abgeschmiert. Nach dem ersten Bohrhaken ist das Schlimmste allerdings schon wieder vorbei und die Stelle ist auch gut A0 kletterbar.

Christakante Christaturm
Der Wilde Kaiser von seiner wilden Seite.
Christakante Christaturm
Nach der Schlüsselseillänge geht’s mit einem steilen, gut griffigen 4er weiter.

Das Finale der Christakante sind zwei steile Seillängen, die direkt an der Turmkante verlaufen. Schwerer als V- wird es jetzt nicht mehr und ein schmaler, ausgesetzter Grat führt uns direkt auf den Gipfel des Christaturms.

Kaiser Hoch 6: Einstieg ins alpine Klettern

Du bist neu im alpinen Klettern und willst dich mit einem Bergführer an die Klassiker im Wilden Kaiser herantasten? Die Kaiser Hoch 6 Gipfeltouren folgen den Wegen der Erstbesteiger und kombinieren die einfachsten und schönsten alpinen Kletterouten auf die bekanntesten Koasa-Gipfel. „Für die Routen muss man kein Profikletterer sein. Aber Ausdauer, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit muss man unbedingt mitbringen“, betont Tom Rabl. So kannst du am Seil eines erfahrenen Guides die imposanten Anstiege im 3. und 4. Schwierigkeitsgrad auf Fleischbank, Predigtstuhl, Totenkirchl und CO. voll auskosten.

Predigtstuhl Nordgrat
Der Predigtstuhl mit seinem markanten Nordgrat.

Hier findest du alle Infos zur Kaiser Hoch 6 Tour!


Schlechtwetterprogramm: Sportklettern am Schleierwasserfall

Der Schleierwasserfall gilt als eines der schönsten Klettergebiete in Österreich. Über 200 Sportkletterrouten findet man in diesem Klettergebiet am Fuße der Maukspitze. Das Klettern hier ist nebenbei auch noch ein echtes Naturschauspiel. Denn über die überhängende Wand stürzen zwei Wasserfäll hinab. Wie ein Schleier legen sie sich über den Überhang und sind so namensgebend für das Klettergebiet.

Die Südseitige Lage macht den Schleier zum idealen Herbstklettergebiet und der Überhang schützt auch bei Schlechtwetter vor Regen und Schnee.

Falls du auch einige Tage in der Region St. Johann in Tirol bleiben willst, dann empfehle ich dir als Unterkunft den Penzinghof in Oberndorf!

Hinweis: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Region St. Johann in Tirol entstanden.

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