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Der Dachstein: Berg der Kontraste

Der Hohe Dachstein (2.995 m) bringt den Bergsteiger in einen Zwiespalt. Einerseits wird er mit einem wunderschönen Gipfel belohnt, andererseits mit dem Tumult einer Touristenhochburg konfrontiert.

Der fehlende Schnee in diesem Winter weckte das Bedürfnis in mir, etwas höher aufzusteigen, um endlich die Tourenski anschnallen zu können. Da ich schon ewig nicht mehr am Gipfel des Dachsteins gestanden hatte, und auch noch nie im Winter, sollte dies die letzte große Tour im Jahr 2015 werden. Leider reichte die Schneegrenze nicht bis zum Fuße der Dachsteinsüdwände hinab, weshalb mein Bergpartner und ich beschlossen, mit der Südwandbahn auf den Hunerkogel auf 2.700 m zu fahren und die Tour von dort zu starten.

Zwischen Touristen und Berggeilheit

Unsere Motivation war riesig, als wir am 30.12. um neun Uhr dreißig unser Auto an der Talstation abstellten. Für Besitzer der Salzburg Super Ski Card oder einer Saisonkarte für die Amadè sind Berg- und Talfahrt inkludiert. Alle übrigen zahlen den stattlichen Preis von 35 €. Immerhin darf man dann die Mautstraße bis zur Südwandbahn kostenlos mitbenützen.

Als wir die Talstation betraten, wand sich bereits eine lange Schlange aus Ski- und Gletschertouristen bis zum Einstieg der Gondel  – Einheimische entdeckten wir gar keine. Auch Bergsteiger stachen aus der Menge nicht hervor. Ein Zeichen, dass uns womöglich ein einsamer Gipfelsieg bevorstand.

Nach einer dreiviertel Stunde kamen wir schließlich am Hunerkogel an. Der Plan war, mit den Tourenskiern bis zum Einstieg des Randkluftsteiges aufzusteigen und zum Schluss den Klettersteig bis zum Gipfel zu folgen. Bevor wir auffellten, fuhren wir von der Bergstation ein Stück ab, kreuzten den Hunerkogel- und Schladmingerlift und glitten, die für Fußgänger angelegte Radtrackspur, hinab, bis es wieder leicht bergauf ging. Dort zogen wir die Felle auf, umrundeten das Dirndl und steuerten den Gletscher an.

Ein besonderer Genuss war die kurze Skitour nicht. Der Schnee war windgepresst und stark verspurt, besonders im letzten steilen Stück vor der Randkluft fand man ohne Harscheisen schwer Halt. Zu unserem Erstaunen war die Randkluft vollkommen geschlossen. Wir marschierten also gemütlich bis zum Einstieg des Klettersteiges. Dort verstauten wir unsere Skier, zogen die Steigeisen und das Klettersteigset an und klinkten uns in das Stahlseil ein. Auf einen Pickel verzichteten wir, da kein Eis zu erwarten war.

Über den ältesten Klettersteig der Welt

Der Randkluftsteig wurde bereits 1843 errichtet. Er gilt somit als der älteste Klettersteig der Welt. Obwohl er nur mit der Schwierigkeit B gekennzeichnet ist, sollte man den Steig besonders im Winter nicht unterschätzen. Das Sicherungsseil war schon bei unserer Tour teilweise eingeschneit. Einige Passagen, an denen aber ausreichend Schnee lag, mussten wir ungesichert passieren. Wir empfehlen deshalb besonders unsicheren Bergsteigern einen Pickel oder ein kurzes Seil als zusätzliche Sicherung mitzunehmen.

Der Aufstieg über den Steig war der pure Genuss, Schnee und Fels wechselten einander ab und machten die Kletterei auch ein wenig anspruchsvoll. Nach kurzer Anstrengung standen wir schließlich bei traumhafter Aussicht auf dem Gipfel. Diesen teilten wir uns mit zwei Tschechen, die aber schon zusammenpackten.

Das Bergpanorama reichte von Salzburg bis in die Hohen Tauern und das Gesäuse. Im Flachland und in den Tälern staute sich der Nebel. Am Gipfel war es fast windstill und wir genossen nach dem schattigen Aufstieg die angenehme Wintersonne.

Berg des Kontrastes

Ganz alleine am Gipfel des höchsten Berges der Steiermark wird es plötzlich still. Noch vor eineinhalb Stunden waren wir inmitten einer Touristenmasse gestanden, die sich gegenseitig die Skistöcke um die Ohren schlug. Weit unten, sahen wir die Skifahrer und Gletscherwanderer wie Ameisen herumwuseln. „Ist das noch ein richtiger Berg?“, fragte ich mich. Ich wandte meinen Blick nach Westen und sah über die Bischofsmütze hinweg bis zu mir nachhause ins Tennengebirge. Ja, am höchsten Gipfel in der Gegend fühlt man sich auf jeden Fall wie auf einem richtigen Berg. Der Ausblick zahlt sich einfach aus.

Wir begannen mit dem Abstieg und folgten wieder dem Randkluftsteig nach unten. Zwei Partien kamen uns noch entgegen. Unten verstauten wir unsere Kletterausrüstung und stiegen in die Skier. Die Abfahrt war kurz und knackig – wegen genüsslicher Skiabfahren waren wir aber auch nicht gekommen. Bei genügend Schnee könnte man bis nach Gosau, Obertraun oder ins Edelgrieß abfahren. Das heben wir uns für den Februar auf.

Zurück an der Bergstation sah ich mir noch an, was der Dachstein touristisch zu bieten hat. Wir besuchten den Eispalast, die Hängebrücke und die „Treppe ins Nichts“. Beim Gang über die Hängebrücke kam mir der Berg plötzlich klein und unbedeutsam vor. So, als hätte man den Respekt vor ihm verloren, ihn gebändigt und in Ketten gelegt.

Ich verließ den Ort mit einem stolzen Gefühl und einem flauen Magen. Die Schönheit unserer Natur wurde mir wieder aufs Neue bewusst. Leider aber auch, dass einige aus Profitgier versuchen, ihrer mächtig zu werden.

3 comments on “Der Dachstein: Berg der Kontraste

  1. Pingback: Admonter Reichenstein: ein Berg mit Charakter |

  2. Pingback: Mit dem Mountainbike um den Dachstein |

  3. …des höchsten Berges der Steiermark UND OBERÖSTERREICH!!!

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