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Skitour auf den Taferlnock: Wenig Sonne, viel Pulver

Skitour Taferlnock Flachauwinkl

Wer von Flachauwinkl zu einer Skitour auf den Taferlnock aufbricht, dem zittern vor Kälte häufig die Knie. Dafür lockt eine geniale Pulver-Abfahrt.

A10 Tauernautobahn. Autobahnraststätte Tauernalm am Nordportal des Tauerntunnels. Ein nicht gerade schöner, aber doch ungewöhnlicher Ausgangspunkt für eine Skitour. PKWs rauschen an uns vorbei. Der Geruch von Autoabgasen mischt sich mit dem eines klirrend kalten Jännermorgens. Bei -13° schlüpfen wir in die Skischuhe und starten unsere Skitour auf den Taferlnock (2.375 m) mit einen kurzen Fußmarsch. Durch eine Unterführung erreichen wir den Pleißlingalmweg, auf dem genügend Schnee liegt, um die Skier anzuschnallen.

Skitour auf den Taferlnock: Warm laufen durchs Pleißlingtal

Kurz nach der Unterführung steht am linken Wegrand eine Kapelle. Ab hier bringt uns die schmale Forststraße in logischer Linie tief ins Tal hinein. Die Baumkronen spannen ihr Dach über uns. Der Verkehrslärm wird langsam leiser, die Luft mit jedem gewonnenen Meter besser.

1.200 Meter Höhenunterschied müssen wir bis zum Taferlnock überwinden. Nicht viel, aber der Weg zieht sich. Besonders hier im unteren Drittel machen wir nur langsam Höhenmeter, weil sich die Straße drei Kilometer fast flach bis zum ersten Anstieg entlangzieht.

Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Lang und flach zieht sich der Anstieg durch das Pleißlingtal.

Wer so den Forstweg entlanggleitet, über einem die Hochspannungsleitung, die die Stromversorgung zwischen dem Pongau und dem Lungau sicherstellt, kann sich nicht vorstellen, dass die Skitour auf den Taferlnock zu den beliebtesten und schönsten Touren im Salzburger Land gehören soll.

Auch ich blicke immer wieder vor und zurück. Ungeduldig, wann wir endlich so richtig in der Natur ankommen werden. Würde ich nicht über die Schönheit der Bergwelt tiefer im Tal Bescheid wissen, ich würde wohl umkehren. Ich richte den Blick stur gerade aus und spule die ersten drei Kilometer schnell ab. Das hält zumindest die kalten Glieder warm.

Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Die ersten Sonnenstrahlen streifen die Bergspitzen. Entlang unserer Aufstiegsroute bleibt es schattig.

Das Schöne liegt nah, aber im Schatten

Aus dem Tal weht uns eine sanfte, aber eisige Briese entgegen. Ein dunkler Schatten liegt über dem Pleißlingtal. Die höheren Gipfel rund herum leuchten verführerisch im warmen Morgenlicht. Wir werden bis zum Gipfel keine Wärme im Gesicht spüren. Sonnenschein gegen perfekten Pulverschnee. Das ist der Deal bei einer Skitour auf den Taferlnock mit nordseitigem Aufstieg.

Wir haben mittlerweile die Pleißlingalm passiert, die Abzweigung zur Südwiener Hütte auf der linken Seite ignorieren wir und halten uns rechts. Die Hochspannungsleitung über unseren Köpfen verschwindet, dafür taucht vor uns ein lichter Lärchenwald auf.

Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Kurz nach der Pleißlingalm gelangen wir in einen schönen Lärchenwald. Die Skitour auf den Taferlnock beginnt mir zu gefallen.

Endlich habe ich das Gefühl, wirklich in der Natur angekommen zu sein. Fernab des Verkehrslärms und Anzeichen von Zivilisation.

Für den weiteren Aufstieg gibt es jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder man geht weiter ins Tal hinein und steigt über Südosten durchs Windsfeld (Hochspannungsleitung) in einem weiten Rechtsbogen auf den Gipfel. Oder man wählt wie wir die kürzere, aber steilere Variante über den Gamsboden.

Skitour auf den Taferlnock: aufpassen, dann genießen

Beide Varianten haben ihre Tücken. Aber besonders der steile Lärchenhang, den wir hinauf zum Gamsboden überwinden müssen, ist selbst bei mäßiger Lawinengefahr kritisch zu beurteilen! Oft ist hier Triebschnee eingelagert, der aufgrund der Steilheit des Hanges leicht auslösbar ist.

Die Verhältnisse heute sprechen für einen direkten Aufstieg auf den Gamsboden. Lawinenwarnstufe 2 und gut gesetzter Pulverschnee – auf geht’s!

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Aufstieg über den steilen Hang Richtung Gamsboden. Die Lärchen werden bald weniger und wir bewegen uns in freiem Gelände.

So flach das erste Drittel der Tour war, so steil präsentiert sich jetzt der Hang hinauf zum Gamsboden. In großen Schritten machen wir schnell Höhenmeter – etwa 600 liegen noch vor uns.

Spitzkehre um Spitzkehre arbeiten wir uns den Hang hinauf und erreichen eine halbe Stunde später den Gamsboden. Spätestens hier kommt jeder ins Staunen. Vor uns liegt ein flaches, weitläufiges Kar; eingerahmt von den Felswänden der Permuthwand, der Rießlwand und des Taferlnock.

Eingekesselt: Über den Gamsboden auf den Taferlnock

Wie ein weicher Teppich hat sich der Neuschnee in den letzten Tagen über die Geländekuppen des Gamsbodens gelegt. Obwohl ich mittlerweile nach Sonne lechze, verleiht der Schatten der Landschaft etwas Magisches.

Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Der Gamsboden.

Als drei Schattenfiguren wandeln wir über den flachen Gamsboden. Wir halten uns im Kar links und gehen jetzt geradewegs nach Süden Richtung Lungau. Fast einen Kilometer ist der Gamsboden lang. In Begleitung der Permuthwand führt uns die Spur zuerst flach, dann etwas steiler werdend bis zum Rücken des Taferlnocks hinauf.

Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Am Beginn des Gamsbodens. Im Hintergrund die Permuthwand.
Skitour Taferlnock Flachauwinkl
Weitläufiges, traumhaftes Skigelände tut sich vor uns auf.

Am Ende des Gamsboden schwenken wir nach links und erreichen nach drei Spitzkehren das flache Gipfelplateau. Nach zwei Stunden im Schatten blitzt uns auf der Skitour zum Taferlnock erstmals die Sonne entgegen. Der Wind hat in den letzten Tagen den Schnee vom Gipfel gefegt. Der Harsch knarrt unter den Skiern und unser Atem gefriert in der Luft. Immer noch ist es eisig kalt, aber die Fernsicht vom Taferlnock macht jede Frostbeule auf dieser Skitour bezahlt.

Großartiges Gipfelpanorama und Pulver-Abfahrt vom Taferlnock

Keine Wolke trübt den Blick. Von den Hohen Tauern über das Tennengebirge und das Dachstein-Massiv bis zum Grimming können wir fast jeden Gipfel erkennen. Besonders reizend sehen aus diesem Winkel das Mosermandl und der Faulkogel aus.

Kaum zu glauben, dass wir von der Tauernautobahn hierher gelangt sind. Das Panorama und die bevorstehende Abfahrt belohnen auf jeden Fall für den schattigen und zunächst monotonen Aufstieg auf den Taferlnock.

Weil wir heute die zweiten am Gipfel waren, wollen wir uns die unberührten Pulverhänge nicht nehmen lassen. Einige weitere Skitourengeher tauchen bereits am Gipfelplateau auf. Wir ziehen die Felle ab, holen die warmen Handschuhe aus dem Rucksack, steigen in die Bindung und los geht’s!

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Es staubt von oben bis unten! Im Aufstieg ist noch einiges los.

Wir fahren entlang der Aufstiegsspur ab. Am Gamsboden, durch den Lärchenwald und zurück bis zur Straße erwischen wir grenzgeniale Pulverschwünge. Danach lassen wir es bis zurück zur Raststation laufen und tauchen unten wieder in eine Wolke aus Abgasen und Verkehrslärm ein.

Die Skitour auf den Taferlnock in Zahlen

  • Aufstieg: 1.200 Höhenmeter
  • Abstieg: 1.200 Höhenmeter
  • Länge: 12 Kilometer
  • Dauer: wir haben für den Aufstieg 2:15 benötigt
  • Ausgangspunkt: Raststation Tauernalm (1200 m)
  • Der Track auf Strava

Die Karte anbei zeigt unsere Aufstiegs- und Abfahrtsroute. Bei weniger sicheren Bedingungen empfehlen wir unbedingt, nicht den steilen Lärchenwald aufzusteigen bzw. abzufahren, sondern eine Spur weiter westlich (Aufstiegsrichtung rechts) anzulegen!

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3 Kommentare zu “Skitour auf den Taferlnock: Wenig Sonne, viel Pulver

  1. Stephan JOHN

    Hallöööchen!
    Georg und ich kennen Flachauwinkel. Die Nockberge kenne ich bisher leide nur dem Namen nach. Sollte ich einmal dorthin kommen, dann wohl eher im Sommer.
    L.G. Papi

  2. Reinhard

    Sehr inspirierender Bericht!
    Danke Susi.

    • Gerne und vielen Dank Reinhard. Falls du noch genauere Fragen zur Tour hast – jeder Zeit! 🙂

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