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Ein Traum wird wahr: Eisklettern mit Freiluftleben

Ein lang ersehnter Traum geht in Erfüllung. Wir dürfen uns im Eisklettern versuchen. Timo von Freiluftleben macht’s möglich.

Hektisch suche ich meine Sachen zusammen. Es ist Freitagvormittag und in einer Stunde muss ich in Salzburg sein. Helm, Pickel, Steigeisen, Expressen, Karabiner, Schlingen, Wechselkleidung, Bergschuhe, Lawinenausrüstung, Felle, Thermosflasche, Verpflegung und noch viel mehr. Fast verzweifle ich: „Wie soll ich das in meinen 30 Liter Rucksack bekommen?“ So gut es geht stopfe ich alles in meinen Rucksack. Die Zeit drängt. In 10 Minuten muss ich im Auto sitzen, sonst komme ich zu spät.

In Salzburg treffe ich mich mit Susi und Bernd. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Kolm Saigurn. Dort treffen wir Timo von Freiluftleben und die anderen Kursteilnehmer an der Mautstation. Der Fahrer vom Naturfreundehaus wartet bereits auf uns. Er sammelt unser Gepäck ein und diejenigen, die nicht zu Fuß gehen möchte. Wir machen uns mit den Tourenskier auf den Weg und nutzen den kurzen Aufstieg, um uns nach der Autofahrt ein wenig zu bewegen.

Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir das Naturfreundehaus. Nachdem wir unsere Schlafplätze bezogen und uns etwas Trockenes angezogen haben, treffen wir uns mit den anderen Kursteilnehmern in der Stube zur Einführung.

Timo begrüßt uns nun alle offiziell zum Eiskletterkurs und teilt uns sein Buch mit allen wichtigen Infos zur neuen Sportart aus. Wir beginnen mit einer kurzen Vorstellungsrunde, bevor uns Timo eine Einführung in die Kletterausrüstung gibt. Später am Abend dürfen wir die Eisgeräte für den nächsten Tag schleifen. Gar nicht so einfach, eine scharfe Haue hinzubekommen!

Eiszeit! Erster Kontakt mit dem Eis

Am nächsten Tag starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück zum Hauptfall. Dieser liegt nur fünf Minuten von der Hütte entfernt. Draußen schneit es immer noch. Die Freude gleich im Eis zu klettern ist noch etwas verhalten. Die Sehnsucht nach dem warmen Ofen gerade größer.

Am Eisfall angekommen legen wir unsere Ausrüstung an. Den Eisfall teilen wir uns heute mit einer zweiten Gruppe Eiskletterneulingen. Die Bergführer legen uns zum Aufwärmen mit den Eisgeräten einen kurzen Quergang an den Fuß des Eisfalls. Jetzt dürfen wir uns probieren. Erst einmal ohne große Anweisungen, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Dann gibt uns Timo für jede weitere Runde Tipps zum Steigen und Belasten der Eisgeräte. Langsam freunden wir uns mit dem Eis an und bekommen ein Gefühl für das ungewohnte Element.

Kurz bevor der Quergang langweilig zu werden droht, beenden wir den Spaß und die Bergführer hängen uns die Seile Toprope ein. Jetzt kann’s losgehen! Es geht zum ersten Mal die Eiswand hoch. Funktioniert gar nicht so schlecht. Nur laufen mir meine Stoffhandschuhe schnell mit Wasser voll. Drei Züge später sind meine Fingerkkuppen taub und das Eisgerät kann ich kaum noch halten. Ich muss abbrechen. Der Eisfall hat mich unbequem angeschüttelt. Unten ziehe ich mir sofort Susis Daunenhandschuhe über. Langsam tauen meine Finger wieder auf und schmerzen nun noch mehr, bevor sie wieder angenehm warm werden. Für die nächsten Routen wähle ich dann lieber die dicken Handschuhe. Eine gute Wahl, mit warmen Händen macht es gleich doppelt soviel Spaß. Mit jeder Route läuft es besser und wir bekommen ein Gefühl für das Eis.

Zwischendurch erklärt uns Timo noch die beiden elementaren Steigtechniken im Eisklettern: die Raupentechnik und die Diagonaltechnik. Beide probieren wir aus und passen sie an das Gefälle des Eisfalls an. Und als Test, ob wir brav mit den Beinen steigen, einen guten Stand haben und wenig aus den Armen arbeiten, lässt uns Timo mit nur einem Eisgerät klettern. So stellt sich schnell heraus, ob man gut steht oder nicht, denn jetzt fehlt das zweite Gerät zum Stabilisieren, während man mit dem anderen Eisgerät weiter oben ins Eis haut.

So unangenehm es am Anfang war, umso besser ist das Klettergefühl in den nächsten Routen. Denn jetzt sitzt jeder Tritt. Schon bald sind wir total ins Eisklettern verliebt. Am liebsten würden wir gar nicht mehr aufhören. Hier noch hoch, da noch hoch. Und die Mixed-Route wird sowieso ausprobiert. Es läuft super. Besonders begeistert sind wir davon, dass man sich im Eis nicht groß Griffe und Tritte suchen muss. Mit den Eisgeräten und den Steigeisen findet man fast überall Halt. Wie in Trance schlage ich die Eisgeräte über mir in den Fall. Splitter fliegen mir ins Gesicht. Trotzdem klettere ich mit einem Lächeln weiter. Hole die Beine nach und ramme die Zehenspitzen gefühlvoll aber bestimmt ins Eis.

Zwischendurch gibt uns Timo immer wieder Input, wo wir noch etwas verbessern können. Zu guter Letzt dürfen wir noch einen Abalakov-Eisuhr bohren. Wir treffen beim ersten Mal!

Langsam neigt sich der erste Tag dem Ende zu. Nach sieben Stunden Kletterei sind alle fix und fertig. Nur Susi und ich nicht. Wiederwillig lösen wir uns vom Eis und wollen nicht einsehen, dass es für heute schon vorbei sein soll. Darum lassen wir die Steigeisen gleich an und klettern am Eisturm vor dem Naturfreundehaus weiter. Die Eishasen sind geboren! Am Turm lernen wir eine lustige Gruppe Oberösterreicher kennen.

Kurz vor dem Abendessen stürmen wir zurück in die Hütte. Schnell unter die Dusche, bevor das Abendmal serviert wird. Hungrig schaufeln wir die Suppe rein. Am liebsten hätten wir eine doppelte Portion gehabt. Leider hat die Küche nicht mit unserem enormen Hunger gerechnet. Dafür folgt Rindfleisch mit Krensoße und Kartoffeln. Der Nachtisch darf natürlich auch nicht fehlen: Griesschnitten mit warmen Beeren. Yummy.

Dach dem Essen ist wieder Theorie angesagt. Mit einem Bier setzten wir uns in den Aufenthaltsraum. Timo erklärt uns  die verschiedenen Eisarten und deren Festigkeit.

Nach der Theorieeinheit lassen wir den Tag bei gemütlichem Beisammensitzen ausklingen und feiern noch ein wenig den Geburtstag von Bernd. Wir gesellen uns zu den Oberösterreichern, mit denen wir viel zu lachen haben.

Barbarafall wir kommen

Über Nacht reißt die Wolkendecke auf und klirrende Kälte überfällt das Tal. Der Temperatursturz hat dem Eis nicht gut getan, die oberste Schicht ist weiß und spröde. Dafür strahlt die Sonne in all der Kraft, die sie an einem Wintertag im Februar aufbringen kann. Nach einem stärkenden Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Barbarafall. Dieser liegt auf dem Weg Richtung Sonnenspitze einige Meter über dem Hauptfall.

Nachdem es gestern so gut lief, ist die Vorfreude enorm. Vor allem weil wir heute das Vorstiegsklettern probieren dürfen. Zwar sind die Arme müde und schwer vom gestrigen Tag, aber das ignorieren wir einfach. Eingepackt wie Michelin Männchen geht es wieder ran ans Eis.

Mit den kalten Temperaturen und den veränderten Eisbedingungen, ist das gleich eine ganz andere Erfahrung als am Vortag. Die Eisgeräte lassen sich nicht mehr ganz so leicht setzten und das spröde Eis platzt regelmäßig ab. Tellergroße Eisblöcke fallen uns entgegen. Knallen, bevor sie an den Fuß des Falles stürzen, schmerzhaft gegen meine Schienbeine. Jetzt, fast drei Wochen nach dem Kurs, sind meine Beine immer noch übersät von blauen Flecken. Aber genau dieses Wilde, Unberechenbare lässt uns beim Eisklettern nicht mehr los. Nach wenigen Routen haben wir ein Gefühl für das härtere Eis entwickelt und sind wieder voll im Flow.

Präzise klopfe ich an das Kleid des Eisfalls. Die Haue sitzt. Oftmals reicht es aus, sich nur in einen Hook hineinzuhängen. Heute klettere ich schon viel kraftsparender. Flüssig verlagere ich den Schwerpunkt von einem Bein auf das andere. Schlage, bewege mich geschmeidig, entlaste und tappe in kleinen, zügigen Schritten höher. Mein Atem geht im Takt der Bewegung.

Neben dem Eisklettern ist am Barbarafall die Aussicht ein Highlight. Ringsherum eröffnet sich ein herrliches Bergpanorama. Genau für 10 Minuten streift die Sonne den Rand des Falls. Wie Kaiserpinguine drängen wir uns an dem erleuchteten Fleckchen zusammen, wärmen uns auf und lassen den Blick über das Tal schweifen.

Ein Route bereiten wir mit Eisschrauben und Expressen für den Vorstieg vor. Die Eisschrauben drehen wir zuvor im Toprope ins Eis. Timo meint, dass es für den Anfang reicht, nur zu klippen. Vermutlich hat er recht, aber natürlich würden wir lieber gleich alles selbst machen. Schraube setzen, Expresse dran hängen und dann erst klippen.

Trotzdem steigt die Spannung gleich im Vorstieg klettern zu dürfen. Susi probiert es als erste von uns beiden uns ist total begeistert, wie gut es funktioniert. Ich tue es ihr gleich und versuche es direkt als nächstes. Es geht wirklich gut. Keine Angst, keine Anspannung. Nur befreites Klettern! Timo holt uns zurück auf den Boden der Tatsachen und erklärt uns erst einmal noch alle wichtigen Elemente zum Standplatzbau. Auch wenn das Prinzip gleich ist wie beim Alpinklettern, einige wertvolle Tipps können wir trotzdem mitnehmen.

Am Nachmittag müssen wir das Eisklettern leider beenden. Dem Großteil der Gruppe steht noch die Heimreise bevor. Die Zeit ist mal wieder viel zu schnell vergangen. Am liebsten würde wir noch ein paar Tage weiterklettern, auch wenn unsere Arme etwas anderes sagen.

Wir möchten uns nochmals bei Freiluftleben und besonders bei Timo für das grandiose Wochenende bedanken. Ihr habt eine neue Leidenschaft in uns geweckt. Zum Abschluss haben wir für euch den Kurs in bewegten Bilder zusammengefasst.

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