Skitouren Touren

Granatspitze: Skitour mit Gratkletterei

Wer am Ende des Winters noch einmal ordentlich Höhenmeter sammeln will, für den ist die Granatspitze wie gemacht. Hier kann man völlig einsam gehen, klettern und die lange Abfahrt genießen.

Langsam wird es ruhig in den Bergen. Die Skitourengeher haben ihr Material längst im Keller oder im Dachboden verstaut und die Wanderer und Bergsteiger wagen sich aufgrund des Restschnees meist noch nicht in höhere Lagen vor.

Mit Skiern sind jetzt nur noch die Fanaten anzutreffen. Die Verrückten. Die, die es einfach nicht lassen können. Solche, die ihre Skier erst 500 Höhenmeter hochschleppen, um in den Firnhimmel zu gelangen. Wir gehören genau zu dieser Kategorie Bergsportler. Für uns können die Winter nicht lange genug dauern. Und im Frühjahr aufzuhören, wenn die Form am besten ist, kommt nicht infrage.

Auf unserer Recherche nach einer Tour, die körperlich gut fordert und ihren Ausgangspunkt möglichst nahe der Schneegrenze hat, sind wir auf die Granatspitze (3.086 m) gestoßen.

Vom Enzingerboden auf die Rudolfshütte

Ausgehend vom Enzingerboden (1.500 m) im Pinzgauer Stubachtal gelangt man auf eine Höhe von knapp über 3.000 Meter. Im Hochsommer und -winter startet der Großteil der Wanderer von der Rudolfshütte, auf die man vom Enzigerboden mit der Seilbahn auffahren kann. Im Frühjahr und Herbst allerdings sind Hütte und Gletscherbahn geschlossen.

So ist es ruhig geworden rund um die Rudolfshütte und nur wenige wagen sich noch ganz hinein ins Stubachtal. Anders als auf den im Frühjahr beliebten Skitourenbergen wie dem Großglockner oder -venediger, kann man hier die Seelenruhe der Berge wirklich genießen. Als wir am Morgen das Auto am Parkplatz am Enzingerboden abstellen, überkommt uns die völlige Verlassenheit der Gegend. Wir sind fest davon ausgegangen, dass mehrere Wahnsinnige das grandiose Wetter für eine allerletzte Skitour nützen würden. Aber nichts. Nur vier weiteren Personen sollten wir im Laufe des Tages begegnen.

Die nächste Überraschung: die Schneedecke auf der Forststraße zur Rudolfshütte reicht sogar bis zum Parkplatz. Mehr noch, die Schneefälle der letzten Tage haben sie zusätzlich mit einem dünnen Pulverfilm überzogen. Wir müssen die Skier keinen Meter tragen! Und das Anfang Mai.

Gemütlich steigen wir in etwa zwei Stunden zur Hütte und dem davor liegenden Weißsee auf. Den See umgehen wir auf der linken Seite und müssen ein kurzes Stück abfahren, bevor der nächste Anstieg beginnt.

Während wir kurz durchatmen, lassen wir das Panorama rund herum auf uns wirken. Endlich haben wir unser Tagesziel vor Augen: die Granatspitze, rechts daneben den Stubacher Sonnblick. Als wir uns umblicken, lugt hinter dem Johannisberg der Großglockner hervor. Die Weite der Hohen Tauern wird endlich fassbar. Die starke Frühjahrssonne bringt die ganze Landschaft zum Glühen. Fast schmerzt die helle Reflexion in den Augen.

Flacher Gletscher, steiler Grat

Der weitere Weg führt uns um den Weißsee herum, dann durch einen breiten Graben bis unter eine steile Geländestufe unterhalb des Sonnblickkees. Der Anstieg zehrt stark an unseren Kraftreserven. 400 Höhenmeter müssen wir überwinden, bevor wir den flachen Gletscher erreichen. Zusätzlich kommt immer stärkerer Wind auf und eine Mischung aus Wolken und Nebel zieht über den Gipfel des Sonnblicks, den wir am Weg zur Granatspitze eigentlich noch schnell mitnehmen wollten. Die beiden Gipfel können auf der Tour nämlich sehr gut kombiniert werden. Als wir den Rand des Gletschers erreichen, entscheiden wir uns aber gleich zur Granatspitze hinüber zu queren.

Während der Nebel immer dichter und der Wind immer kräftiger wird, steigt unser Zorn darüber, dass wir unseren Gipfelsieg erneut in einer Wolke abhalten werden müssen.

Kurz überlegen wir, ob wir den Gipfel sausen lassen sollten. Sturm und Nebel nagen an unserer Motivation. Die Beine sind schon schwer. Die Finger vom Wind kaltgefroren. Ein Moment der Schwäche, den wir schnell unterdrücken.

Wir deponieren die Skier am Einstieg des Ostgrates der Granatspitze und beginnen mit der Kletterei. Steigeisen und Pickel haben wir nicht dabei – der Grat lässt sich auch so ganz gut überwinden. Der Schnee ist großteils schön weich, bietet aber dennoch guten Halt. Gleich zu Beginn überwinden wir eine IIer-Stelle, darauf folgt eine leichtere Gehpassage und eine erneute Kletterstelle. Nach viereinhalb Stunden stehen wir am Gipfel.

Der Wind treibt von Süden her Nebelfetzen über die Gebirgskette. Hin und wieder ergattern wir einen Blick ins Tal. Unsere Laune bessert sich am Gipfel trotz fehlender Aussicht schlagartig. Wir sind wieder einmal über unsere Komfortzone hinausgegangen – und das fühlt sich richtig gut an.

Lange Abfahrt, ganz allein

Nach mehreren Gipfel-Selfies klettern wir den Grat wieder zurück, steigen in die Ski und fahren über den Gletscher direkt unterhalb der Granatspitze ab. Völlig alleine am Berg ziehen wir unsere Schwünge in weiten Schneeflächen. Wir queren nicht mehr links zur Aufstiegsspur hinüber, sondern halten uns rechts und umfahren die leichte Senke, um uns den Gegenanstieg zu sparen. Spätestens am Weißsee heißt es aber erneut auffellen und zur Rudolfshütte aufsteigen.

GOPR0329

Ab der Hütte hat die Sonne dem Schnee schon ordentlich zugesetzt. Er bremst so stark, dass wir beinahe aus der Bindung fallen, teilweise sinken wir knietief ein. Trotzdem können wir noch bis kurz vor dem Parkplatz abfahren. Lange wird sich der Schnee auf der Forststraße allerdings nicht mehr halten. Auf den letzen Metern haben sich unsere Beläge noch einige Andenken in Form von Kratzern und Schrammen geholt.

Tourdaten

Höhenmeter: rund 1.800 mit Gegenanstiegen
Kilometer: 9,5
Dauer: 4 bis 5 Stunden
Ausrüstung: wer sich beim Klettern mit Skischuhen unsicher fühlt, sollte Steigeisen einpacken.

3 comments on “Granatspitze: Skitour mit Gratkletterei

  1. Schöne Tour – haben wir im Sommer gemacht! Da war auch nichts los….weil ein paar wolken am Himmel waren. Der Grat ist durchaus interessant bei schärferen Bedingungen….aber natürlich machbar. Schöne Bilder!

    LG Sabrina

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    • Ja wir waren auch sehr begeistert. Vor allem, weil wir echt alleine waren und gar nicht damit gerechnet haben. Der Grat ist wirklich noch das I-Tüpfelchen der Tour. Wirklich spannend zu klettern, aber wie du sagst, bei schwierigen Bedingungen nicht zu unterschätzen.

      LG Susi

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  2. Pingback: Instagram: Unsere beliebtesten Bilder |

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