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Ortler über Hintergrat: Ein Ostalpen-Klassiker

Ortler Hintergrat

In abwechslungsreicher Linie führt der Hintergrat auf den König Südtirols. Mal luftig, mal entspannt, aber stets monumental schön.

Nach eineinhalb Stunden Aufstieg in der Dunkelheit, in denen ich nichts gesehen habe außer grauen Fels im Radius des Lichtkegels meiner Stirnlampe, beginnt es endlich zu dämmern. Die Welt um mich ist trüb, die Augen erkennen noch keine Farbtöne. Aber das Licht genügt, um sicher steigen zu können und so knipse ich meine Petzl Nao+ aus. Wir stehen direkt am Hintergrat, der in einer eleganten Linie zum Ortler aufsteigt. Mein Blick gleitet vom Boden in die Ferne.

In der Dunkelheit habe ich gar nicht bemerkt, wann wir den Wolken entkommen sind. Wie aus dem Nichts sind wir irgendwo zwischen dem steilen Firnfeld und der ersten Verschneidung aus dem düsteren Grau geklettert. Erst jetzt, als ich mich nicht mehr so konzentrieren muss, um am richtigen Weg zu bleiben, nehme ich das unglaubliche Nebelmeer unter mir wahr.

Ortler Hintergrat
Morgenstimmung direkt am Hintergrat.

Dicke Wolken füllen die Täler rund um die Ortler-Alpen randvoll aus. Wie Inseln ragen die höchsten Gipfel heraus. Zum Bekanntesten unter ihnen steigen wir gerade auf. Den Ortler (3.905 m) über den Hintergrat zu erklettern war schon lange eine Wunschtour. Jetzt darfst auch du mitkommen!

Ortler über Hintergrat: Die wichtigsten Fakten zur Tour

  • Aufstieg zur Hintergrathütte von Sulden: +760 Höhenmeter
  • Höhendifferenz am Gipfeltag (Hintergrathütte-Ortler-Payerhütte) im Aufstieg: +1.650 Höhenmeter (mehrere Gegenanstiege im Abstieg)
  • Höhendifferenz am Gipfeltag (Ortler-Sulden) im Abstieg über den Normalweg: -2.400 Höhenmeter
  • Klettern bis IV, wechselndes Gelände aus Fels, Firn und teilweise auch Eis, Gletscherkontakt im Abstieg
  • Länge der Gipfeltour: 16 Kilometer
  • Ausgangspunkt: Parkplatz an der Kirche in Sulden
  • Ausrüstungsliste und Karte findest du am Ende des Artikels

Für wen über 2.000 Höhenmeter am Tag im Auf- und Abstieg kein konditionelles Problem darstellen, der kann den Ortler über den Hintergrat auch am Stück in Angriff nehmen. Wer sich gerne länger für die Tour Zeit nimmt, dem empfehle ich, eine Nacht in der Hintergrathütte einzuschieben.

Die Tour verkürzen: Übernachten auf der Hintergrathütte

Die Hintergrathütte (2.661 m) liegt hoch über Sulden an den Ausläufern des Hintergrats und einer mächtigen Gletschermoräne. In dem kleinen See vor der Terrasse spiegelt sich bei unserer Ankunft der Ortler in einem düsteren Grau. So als würde er uns sagen wollen, dass er es uns morgen nicht allzu leicht machen wird.

Wir genießen die Abendsonne auf der Terrasse, essen und trinken gut und schlafen bis auf ein paar Hitzewallungen ebenso hervorragend in einem gemütlichen Achtbettzimmer.

Ab 3:30 steht das Frühstück bereit. Jeder Tisch ist fertig gedeckt, Kaffee und Tee gibt‘s im Überfluss und so starten wir gestärkt und stressfrei im Schein unserer Stirnlampen auf unsere erste sommerliche Ortler-Besteigung.

Geisterstunde am Ortler

Als wir um kurz nach Vier Uhr aus der Hütte treten, herrscht noch tiefe Nacht über dem Nationalpark Stilfserjoch. Der Himmel ist sternenlos und trüb. Das einzige, was ich weit oben funkeln sehe, sind die Stirnlampen jener Bergsteiger, die sehr viel früher als wir aufgebrochen sein müssen.

Unsere Kletterausrüstung bleibt vorerst im Rucksack. Wir wollen sie frühestens am ersten Eisfeld anlegen und die ersten 1.000 Höhenmeter zügig ohne Geklimper und Gurt aufsteigen.

Von der Hütte steigen wir am Gletscherweg einige Höhenmeter ab, bis wir auf die mächtige Gletschermoräne treffen. Über diesem Wulst aus Fels und Schotter schlängelt sich der Weg westwärts auf ein mächtiges Kar zu.

Nach etwa einem Kilometer biegt der Gletscherweg links ab. Wir aber halten geradewegs auf das Kar zu, in dem auch im Sommer einige steile Schnee- und Firnfelder der Sonne trotzen. Ich bin froh, dass ich meine Stöcke dabeihabe. Im Schnee und im Schotter sind sie ein guter Antrieb und in der Dunkelheit zwei zusätzliche Fühler, auf die ich mich verlassen kann.

Ortler Hintergrat
Der Zustieg zum Hintergrat führt uns über Schneefelder. loses Geröll und leichte Kletterstellen.

Die Finsternis fordert meine Sinne. Meine Augen tasten den Weg nach guten Tritten und Steinmännern ab, meine Ohren hören Steine poltern und Seracs von der Königsspitze krachen. Die Luft schmeckt nach Nebel, meine Lippen nach Schweiß und ab und zu rieche ich am Wegrand abgestandenen Urin.

Es ist eine unheimliche, bedrückende Stimmung, die mich auf den ersten 800 Höhenmetern einnimmt.

Ortler über Hintergrat: Intuitive Orientierung

Tom und ich sind heute zum ersten Mal über den Hintergrat auf den Ortler unterwegs. Überraschend leicht fällt uns die Orientierung am ersten Abschnitt des Grates. Meist ist der Weg gut erkennbar, leichtere Kletterstellen überklettern wir intuitiv. In regelmäßigen Abständen weisen Steinmänner den Weg und über die zwei ersten Firnfelder lotsen uns Stapfspuren.

Wir sind erleichtert, dass wir auf den ersten Firnfeldern auf die Steigeisen verzichten können. Die Schneeoberfläche ist über Nacht nicht gefroren und darunter versteckt sich kein Eis. Wir fühlen uns auch ohne Klauen an den Füßen sicher und können so etwas Zeit sparen.

Auf sanften Pfoten schleichen wir so frühmorgens den Hintergrat Richtung Ortler-Gipfel hinauf. Immer darauf bedacht, im steilen Gehgelände keine Steine loszutreten. Und von keinen getroffen zu werden, die immer wieder an uns vorbeikullern.

Die Gletscherschmelze und Klimaerwärmung setzen auch dem Ortler stark zu. Der Berg scheint auseinander zu bröseln. Besonders hier unterhalb des Grates findet man selten vertrauenswürdigen und festen Fels vor.

Man kann hier fast nicht nichts lostreten, stellt Tom fest. Wir versuchen es trotzdem und halten immer wieder Steine auf, die unter den Sohlen der Seilschaften wenige Meter vor uns davonkullern.

Auf die ersten Kletterstellen treffen wir direkt nach dem zweiten Firnfeld. Etwa zwei Kilometer sind es bis hierher und wir sind noch nicht ganz eine Stunde unterwegs. Man steigt weiterhin links des Grates im brüchigen Gelände auf. Die Schwierigkeiten der Kletterstellen übersteigen nie den II. Grad – bald dürfen wir die Hände wieder baumeln lassen. Ein weiteres, steileres Schneefeld folgt einer flachen Gehpassage, dann müssen die Hände nochmal zulangen.

Tasten, fühlen, klopfen: Wann kommt hier guter Fels?

Bevor ich einen Schritt mache, oder einen Stein zu herzhaft anfasse, wird er gründlich geprüft. Ich klopfe mit den Zehenspitzen und Fingerknöcheln dagegen und nicht selten rutscht der Kollege schon bei sanfter Berührung einige Zentimeter zur Seite.

Wann es hier denn endlich zum Klettern wird? Kommt schon noch, meint unser Tischnachbar von gestern Abend hinter mir. Habe ich die Frage gerade laut ausgesprochen? Es ist eindeutig noch zu früh.

Ortler Hintergrat
Dichter Nebel füllt die Täler rund um den Ortler aus.

Dann kommt Licht ins Dunkel. Eine Verschneidung im II. Schwierigkeitsgrad führt uns direkt auf den Grat. Hoch oben und ausgesetzt stehen wir da. Endlich! Gleichzeitig mit meinem Herz geht auch die Sonne auf. Oder sagen wir so: es wird zumindest hell. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Schleierwolken.

Dafür bewegt sich unter uns dieses unglaubliche Nebelmeer in sanften Wogen durch die Täler. Mal steigt es höher, mal zieht es sich etwas zusammen. Ich kann kaum den Blick davon lassen.

Ortler Hintergrat
Kurz vor dem ersten Eisfeld kann man endlich direkt am Grat gehen.

Die Aussicht nach vorne aber ist auch reizvoll. Endlich kann ich den Verlauf des Hintergrates zur Gänze einsehen. Eine traumhafte Linie liegt dort vor uns im Morgenlicht. Hinter dem ersten Eisfeld türmt sich markant der Signalkopf auf, der mit seinen 3.725 Metern als eigenständiger Gipfel gilt.

Zum ersten Eisfeld hin wird der Grat wieder flacher, dafür schmaler. Für mich ist das hier eine der schönsten Abschnitte der Tour. In der Dunkelheit hatte ich das Gefühl, schon ewig unterwegs zu sein. Der Blick auf die Uhr versichert, wir sind erst eineinhalb Stunden auf den Beinen.

Vor dem Eisfeld legen wir unsere Rucksäcke kurz ab und unsere Kletterausrüstung an. Das Seil stopfen wir wieder in den Rucksack. Solange es nicht gebraucht wird, ist es dort am besten aufgehoben.

Ortler Hintergrat
Am ersten Eisfeld legen wir unsere Kletterausrüstung an. Markant vor uns der Signalkopf, den wir links umklettern müssen.

Zwischen Eisfeldern und Felstürmen am Ortler-Hintergrat

Das erste Eisfeld ist ein breiter Schnee- und Eisrücken, der sanft Richtung Signalkopf aufschwingt. Weil sich das Eis einige Zentimeter unter dem Firn verbirgt und der Fels nach dem Eisfeld wieder schneefrei ist, verzichten wir weiterhin auf die Steigeisen.

Die Seilschaften haben sich mittlerweile gut am Grat verteilt. In uns gekehrt stapfen wir durch den Schnee. Wie ein Balkon mit Bergblick auf 3.500 Metern Höhe zieht sich das Eisfeld in die Länge. Rechts unter uns das Nebelmeer, zur Linken die Königsspitze, vor uns der reizvoll wirkende Weiterweg. Nun wird’s wohl wirklich zum Klettern.

Ortler Hintergrat
Am ersten Eisfeld. Es ist flach und die Schneeauflage gut. Wir können auf Steigeisen verzichten.

Nach dem Eisfeld bekommen unsere Sohlen wieder festen Fels zu greifen. Das Gelände bleibt weiterhin einfach – die Schwierigkeiten übersteigen nie den I. Grad. Etwa 200 Höhenmeter steigen wir so auf. Mal müssen die Hände zufassen, meist können wir aber gemütlich gehen. Immer wieder muss ich mich umdrehen und über diese wohltuende Ausgesetztheit staunen.

Ortler Hintergrat
Blick zurück über das erste Eisfeld Richtung Cevedale und Zufallspitze.

Dann steht der markante Zapfen des Signalkopfs vor uns. Er ist das Markenzeichen des Hintergrates und in vielen Beschreibungen und Berichten abgebildet. Wir dürfen nicht ganz rauf, sondern müssen den Gipfel links leicht absteigend umklettern, rufe ich Tom zu. Zu spät. Wir stehen schon am Gipfel. Auch schön. Der erste für heute. Wir gehen einige Meter zurück und spähen um die Kante.

Ortler Hintergrat
Nach dem ersten Eisfeld steigen wir über leichtes Gelände zum Signalkopf auf.

Hier geht’s ganz schön runter. Die Stelle, die wir abklettern müssen, ist mit UIAA III bewertet. Eigentlich kein Problem, wenn der Fels vertrauenswürdig wäre. Und die Wand neben mir nicht gefühlte 1.000 Meter in die Tiefe reichen würde. Geht auch so, meint Tom. Ich will ans Seil, meine ich.

Dieses Grat-Gefühl

An mehreren Ringhaken kann man sich über die Gruselstelle sichern. Technisch ist die Passage wenig anspruchsvoll. Dafür wird deine mentale Stärke hier erstmals etwas auf die Probe gestellt.

Ein großer Schritt und ich stehe wieder auf festem Fels. Ein schmales Band führt uns zurück auf den Grat. Der Signalkopf liegt jetzt hinter uns und sieht von dieser Seite um vieles spektakulärer aus.

Ortler Hintergrat
Ab dem Signalkopf kommt endlich ein echtes Grat-Gefühl auf!

Endlich habe ich das Gefühl, mich auf einem Grat zu befinden. Einwondfrei! Etwas wehmütig blicke ich auf die Uhr. Bis zum Gipfel fehlen nur mehr 200 Höhenmeter. So könnt es gerne länger weitergehen.

Der Grat ist hier nur wenige Schritte breit. Zu beiden Seiten fallen die Flanken steil ab. Und vor uns liegt schon der nächste Zacken, den es zu erklimmen gilt. Am Fuße des Aufschwungs wartet die Schlüsselstelle der Tour: Eine Verschneidung im IV. Schwierigkeitsgrad. Erst als ich direkt davor stehe merke ich, dass der Fels leicht überhängt. Der Grat versucht mich abzudrängen. Ich halte dagegen, spreize einen Fuß aus, drücke die Hüfte an die Wand und hänge die erste Expressschlinge ein. Durchatmen. Weitermachen.

Der Fels ist von unzähligen Handgriffen und Sohlenkontakten extrem schmierig und fühlt sich an, wie der Untersberger Marmor im Salzburger Dom. Von oben blitzt mir eine weiße Fixschlinge entgegen. Ich strecke mich, bekomme sie zu fassen und ziehe mich über die Kante. Kettergenuss war das keiner.

Als der Hintergrat immer besser und der Ortler immer böser wird

Nach der Schlüsselstelle klettere ich noch einige Meter direkt am Grat weiter. Der Fels wird besser. Gehgelände wechselt sich mit leichten, sehr ausgesetzten Kletterpassagen ab. Einmal muss ich mich durch einen engen Kamin (III) zwängen. Danach verzichten wir wieder auf das Seil und genießen einfach jeden Schritt auf das zweite, steile Eisfeld zu.

Der Blick zurück zieht mir eine Gänsehaut auf. Unglaublich, dass wir über diesen eindrucksvollen Weg auf den Ortler steigen dürfen.

Kurz hadere ich, ob für das steile Eisfeld Steigeisen nötig sind. Die Schneeauflage sieht gut und weich aus. Wir entscheiden uns gegen die Steigeisen, ich hole aber meinen Pickel vom Rucksack und taste mich die knapp 40° steile Flanke hinauf, die oben wieder in Fels übergeht.

Die Ausgesetztheit ist hier um vieles größer als am ersten Eisfeld. Dafür sind aber auch die Aussicht und das Freiheitsgefühl um vieles überragender.

Der Grat begeistert uns derart, dass uns unbemerkt Nebel einhüllt. Bald beginnen die Fingerspitzen vor Kälte zu kribbeln. Zuerst nieselt es leicht, dann fallen Schneeflocken. Wind verschlimmert die Kälte zusätzlich.

Hintergrat: steiler Abschluss und aussichtsloser Gipfelsieg am Ortler

Mit tauben Fingern stehen wir vor dem letzten Aufschwung unterhalb des Gipfels. Eine 30 Meter hohe Wand vorwiegend im III. einmal im IV. Schwierigkeitsgrat liegt noch zwischen uns und dem Kreuz, das uns schon von oben entgegenleuchtet.

Ein letztes Mal sichern wir uns über die schön zu kletternden Passagen. Der Fels ist hervorragend, hier wackelt kein Stein und wir können uns an mehreren Schlaghaken zwischensichern.

Ortler Hintergrat
Am Ende des zweiten Eisfelds geht das Gelände wieder in festen Fels über.

Nach einem Quergang im IV. Grad – den ich aber etwas einfacher empfinde – läuft der Hintergrat zum Ortler-Gipfel gemächlich aus. Tom nimmt das Seil schlampig auf. Die Kälte nimmt ihm die Geduld, das spüre ich. Bevor ich am ganzen Körper zu frieren beginne, ziehe ich mir eine Daunenjacke über.

Bei wärmeren Temperaturen und Sonnenschein sind die letzten Klettermeter (1x III, sonst II) sicher ein Genuss. Wir wollen die Tour jetzt einfach schnell vollenden. Ohne Seil fühle ich mich plötzlich unsicher, schiebe meine Angst aber auf die widrigen Bedingungen, die uns am Gipfel empfangen.

Orlter Hintergrat
Die letzte schwierige Kletterstelle: ein Quergang im IV. Grad, der mir aber etwas einfacher vorkommt.

Wenige konzentrierte Kletterzüge später stehen wir nach 3,5 Stunden am Hintergrat endlich auch im Sommer am Ortler. Es ist erst kurz vor acht Uhr morgens und wir fragen uns, was wir hier so früh schon machen. Auf alle Fälle ein Gipfelbild!

Orlter Hintergrat

Die Ortler-Überschreitung vollenden: Abstieg über den Normalweg

Der Abstieg führt uns über den Normalweg zurück nach Sulden. Er ist ähnlich abwechslungsreich wie der Aufstieg. Zunächst steigen wir über den Oberen Ortler Ferner (unbedingt anseilen!) Richtung Bärenloch ab.

Am Gletscher purzeln die Höhenmeter schnell dahin. Im Laufschritt erreichen wir flott das Ende des Gletschers und können die Gletscherausrüstung ablegen. Unsere Gurte lassen wir an, weil wir uns einmal abseilen müssen.

Eine mit Seil versicherte Passage lotst uns auf den Grat zwischen Tabarettaspitze und Ortler Ferner. Wir navigieren durch ein Labyrinth aus kurzen Auf- und Abstiegen. Der Grat wird immer wieder aufregend schmal, wir müssen einige IIer und Ier Stellen abklettern und kommen bald an einem Felsabbruch an, über den wir uns 15 Meter abseilen müssen.

Die Stelle wird gendergerecht, wie wir es im Bergsport gewohnt sind, Weiberschreck genannt. Ich lass mich nicht abschrecken und schwebe am Doppelseilstrang nach unten. Danach zieht sich der luftige Grat weiter bis zur Payerhütte.

Den Kopf kann man auf diesem Abstieg lange nicht ausschalten. Wir bleiben konzentriert, einige Kletterstellen sind selbst am Normalweg durchaus fordernd. Erleichterung, als wir uns auf der Payerhütte mit einer Nudelsuppe stärken können.

Der Abstieg zieht sich wie eine Packung Kaugummi, die du auf einmal in den Mund genommen und zu lange gekaut hast. Meine Fußsohlen brennen höllisch auf dem fast acht Kilometer langen Weg von der Payerhütte zurück nach Sulden.

Die Schönheit des Weges und der Stolz über die gelungene Tour aber lassen uns die Torturen vergessen.

Fazit: Ortler über den Hintergrat

Die Tour über den Hintergrat auf den Ortler hat mich vor allem landschaftlich beeindruckt. Der Grat zieht in einer abwechslungsreichen, reizvollen Linie hinauf auf den höchsten Gipfel Südtirols. Konditionell ist die Besteigung auf jeden Fall herausfordernd, wer allerdings auf längere und anspruchsvolle Kletterei hofft, wird am Hintergrat nicht fündig werden.

Anders als etwa am Stüdlgrat unterbrechen am Hintergrat immer wieder Eisfelder und Gehgelände den schroffen und felsigen Verlauf des Grates. Spektakulär ist aber die Ausgesetztheit und das Panorama, das einem auf der ganzen Tour begleitet.

Weil man am Grat viel seilfrei gehen kann, ist man zügig unterwegs und entsprechend schnell am Gipfel. Ein Aspekt, der mir bei dieser Art des Bergsteigens ebenfalls sehr taugt.

Auch der Abstieg vom Ortler ist durchaus fordernd und sollte nur von Bergsteigern begangen werden, die absolut trittsicher, schwindelfrei und technisch sicher und seilfrei mindestens den II. am besten den III. Schwierigkeitsgrad bewältigen können, um sowohl am Hintergrat als auch beim Abklettern nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Ortler Hintergrat: Diese Ausrüstung war dabei

  • 30 m Einfachseil
  • Helm
  • Klettergurt
  • 5 Expressen
  • Schraubkarabiner
  • Einige Bandschlingen
  • Tuber und Prusikschlinge
  • Steigeisen
  • Pickel
  • Stirnlampe
  • Stöcke
  • Steigeisenfeste Bergschuhe
  • Handschuhe
  • Erste-Hilfe-Paket
  • Wind/Regenjacke
  • Bekleidung je nach Witterung

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2 Kommentare zu “Ortler über Hintergrat: Ein Ostalpen-Klassiker

  1. Christian Holzer

    Gratuliere – tolle Leistung!
    Feiner Bericht und schöne Bilder (wie immer)!

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