Skitouren Tourentipps

Großwand: Die schönste Skitour am Gosaukamm

Die Skitour auf die Großwand ist die schönste am ganzen Kamm.

Es dürfte dir nicht entgangen sein, dass der Gosaukamm eines unserer liebsten Skitouren-Gebiete ist. Gerade deshalb gehen wir sehr spärlich mit Tourentipps aus der Region um. Einen Tipp wollen wir dir aber auf keinen Fall vorenthalten: die Skitour auf die Großwand (2.415 Meter).

Die Großwand ist der zweithöchste Gipfel im Gosaukamm und der höchste, den man im Kamm noch relativ einfach mit Skiern besteigen kann. Aufstieg und Abfahrt sind steil und anspruchsvoll, die Aussicht zwischen den schroffen Zacken des Gebirges bringt dich immer wieder zum Staunen.

Wer die Skitour auf die Großwand voll auskosten will, sollte ein Gefühl für das richtige Timing haben. Aufstieg und Abfahrt sind süd-west-seitig exponiert. Brichst du zu früh auf, macht harter oder eisiger Untergrund den Aufstieg noch heikler. Bist du zu spät dran, versinkst du bei der Abfahrt bis zu den Knien im weichen Sommerschnee.

Erwischst du die Bedingungen perfekt, ist die Skitour auf die Großwand eine der schönsten im Gosaukamm.

Über die Stuhlalm ins Stuhlloch

Es wäre naheliegend, als Zustieg zur Großwand den Weg über den Pommer-Bauern und die Lochalm zu wählen. Landschaftlich reizvoller aber ist die Variante über die Stuhlalm. Zwar macht man hier mehr Höhenmeter und muss nach der Stuhlalm etwa 150 Höhenmeter abfahren, langsamer ist man trotzdem nicht.

Stuhlalm Gosaukamm
Wir steigen über die Stuhlalm Richtung Stuhlloch auf.

Darum steigen auch wir heute vom Parkplatz Pommer zuerst durch den Wald und später über weite Almwiesen zur Stuhlalm auf. Die Schneedecke ist während der klaren Nacht hartgefroren und knirscht unter unseren müden Füßen. Mehrfach kreuzen wir die Forststraße und je weiter wir aus dem Wald gelangen, umso eindrucksvoller türmen sich die Pfeiler des Gosaukamms vor uns auf.

Unverkennbar unter ihnen: die Bischofsmütze. Auf sie halten wir geradewegs zu. Auf einer sanften Kuppe hinter der Stuhlalm ziehen wir die Felle von unseren Skiern und fahren in eine Mulde ab. Wir queren die Senke und treffen bald darauf auf die Aufstiegsspur ins Stuhlloch, die vom Pommer-Bauern heraufzieht. Ihr folgen wir, bis die Spur rechts zur Stuhllochscharte abzweigt.

Vor uns bauen sich die schroffen Ausläufer der Bischofsmütze auf. Grau und unwirtlich – ganz oben aber erleuchtet die Morgensonne den Fels. Dort wo die Aufstiegsspur zur Stuhllochscharte rechts anzusteigen beginnt, gehen wir noch ein Stück geradeaus weiter. Im Stuhlloch angekommen kesseln uns riesige Kalktürme ein.

Skitour auf die Großwand: Es wird steil

Im Stuhlloch angekommen ist der Normalanstieg auf die Großwand für viele nicht sofort erkennbar. Zu unserer Linken steilt sich eine breite Rampe auf, die bis auf eine Scharte ansteigt. Über sie verläuft die Skitour auf die Großwand. Auf einer Höhe von etwa 1.900 Metern steigen wir in die Rampe ein.

Skitour Großwand Gosaukamm
Den Einstieg in die Rampe findest du zur Linken, wenn du ins Stuhlloch gelangst. Hier im Bild der untere Wandteil.

Die Flanke ist südseitig ausgerichtet und deshalb früh in Sonnenlicht getaucht. Die Schneeoberfläche beginnt bereits aufzufirnen. Perfekte Verhältnisse für einen Aufstieg auf Skiern. Gewaltige Felsplatten rahmen den Anstieg ein und spenden in Felsnähe noch ein wenig Schatten.

Die Rampe ist durchgehend über 40° steil. Bei guten Schneebedingungen wie heute kann man sie in vielen Spitzkehren bis zur Scharte auf 2.200 Metern mit den Skiern an den Beinen überwinden. Ich kreuze die Rampe gefühlte hundert Mal. Haue meine Kanten in den mal weichen, mal harten Schnee und reize an den steilsten Passagen im Mittelteil die Beweglichkeit meiner Hüfte zur Gänze aus.

Skitour Großwand Gosaukamm
Bis zur Scharte nimmt die Steilheit der Rampe gemächlich zu.

Trotz bester Verhältnisse ist heute an der Scharte ein Weiterkommen auf Skiern unmöglich. Ein Felsgrat unterbricht das Schneeband und die Rinne zur rechten Seite ist für meinen Geschmack für einen bequemen Aufstieg auf Skiern zu steil.

Die Scharte entpuppt sich als kleines Plateau, das perfekt Platz bietet, um die Skier am Rucksack zu verstauen und die Steigeisen anzulegen. Auch einen Pickel haben dir dabei, weil nicht klar war, wie genau die Bedingungen im oberen Teil der Großwand sein werden.

Ich warte, bis Tom bereit ist, weiterzugehen und blicke fasziniert heim nach Lungötz und ins gegenüberliegende Tennengebirge. Welch ein Logenplatz, auf dem wir uns hier befinden! Die Bischofsmütze ist der einzige Gipfel, der uns im Gosaukamm heute überragt. Ihre Nordwand steigt dunkel und abschreckend über dem Stuhlloch empor.

Heikler Quergang und steiles Finale

Die Skier auf den Rucksack gezurrt und den Pickel fest in der Hand – so steigen wir in die Süd-West-Wand der Großwand ein. Einige Meter klettern wir am schneefreien Felsgrat hinauf. Eine genüssliche Abwechslung. Dann treffen wir wieder auf Schnee und müssen unterhalb eines Felsaufschwungs links in den breiten Hang queren.

Skitour Großwand Gosaukamm
An der Scharte kurz vor dem Quergang in die Süd-West-Flanke.

Ein Quergang, der bei weichem Schnee heikel sein kann. Wenige Meter unterhalb läuft der Hang trichterförmig zusammen und bricht in einer Felsstufe ab. Erst vergangenen Winter ist eine Skitourengeherin hier durch die Schneedecke eingebrochen, hat das Gleichgewicht verloren und ist über das felsige Gelände abgestürzt.

Mit dem Unglück im Hintergedanken bringe ich den Quergang besonders bedacht hinter mich. Auch wir brechen immer wieder knietief ein. Im Schatten konnte sich noch kein tragender Harschdeckel aufbauen. Vor jedem Schritt ramme ich den Pickel tief in den Schnee und setzte den nächsten erst, wenn ich mich 100%ig sicher stabilisieren kann.

Der Quergang dauert nicht lange an. Er ist schnell überwunden und dann stapfen wir auf perfektem Firn nur noch geradeaus dem Gipfel entgegen. Das steilste Stück der Tour wartet 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Der Hang neigt sich hier etwa 45°+.

Ich drücke die Vorderzacken meiner Steigeisen präzise, aber bestimmt, in die Schneeoberfläche. Der Pickel ist eine angenehme Unterstützung und entlastet die müden Beine. Wenige Meter später flacht das Gelände ab und wir stehen am schönsten Wintergipfel im Gosaukamm.

Skitour Großwand Gosaukamm
Die Großwand. Der schönste Skitouren-Gipfel im Gosaukamm!

Die Skitour auf die Großwand ist die schönste im Gosaukamm

So rassig der Aufstieg war, so sanft präsentiert sich der Gipfel der Großwand: eine flache Kuppe, verziert mit einem schlichten Holzkreuz. Der obligatorische 360°-Rundumblick macht sprachlos. Im Osten baut sich der Dachstein auf und rund um uns herum spitzen die Kalknadeln des Gosaukamms in die Höhe.

Zu viel Zeit bleibt nicht zum Staunen. Die Sonne wird stärker, der Schnee weicher. Soll die Abfahrt so gut wie der Aufstieg werden, müssen wir uns beeilen. Helm auf, Felle ab, Ski an! Den Gipfelhang erwischen wir bei perfektem Firn. Das Gelände ist so steil, dass genüssliches Kurzschwingen gerade noch möglich ist.

Nach dem Quergang bleiben wir hoch, um die Rinne zu erwischen, die in die Rampe mündet. Auch hier schmiert der Schnee butterweich unter den Skiern. Die Einfahrt in die Rinne ist ähnlich steil wie der obere Teil des Gipfelhanges. Auf jeden Fall herausfordernd, aber immer noch genüsslich.

Abfahrt zurück in die Rampe.
Abfahrt nach der Scharte. Durch diese Rinne geht’s zurück zur Rampe.

Auf der Rampe halten wir uns links – die steilen Felswände konnten die Sonne dort etwas länger abhalten. Der Schnee ist gut, bis wir zum untersten Teil gelangen. Kurz vor dem Stuhlloch versinken wir im weichen Frühjahrsschnee.

Dort, wo das Gelände wieder abflacht, wird auch der Schnee wieder härter. Vom Stuhlloch bis zurück zum Parkplatz können wir die Abfahrt bis zum letzten Meter auskosten. Einfach firntastisch!

Was bleibt nach diesem Aufstieg, dieser Aussicht und dieser Abfahrt über die Skitour auf die Großwand noch zu sagen? Ja, sie ist die schönste im ganzen Kamm!

Skitour auf die Großwand: die Details

  • Aufstieg: 1.500 Höhenmeter
  • Abfahrt: 1.500 Höhenmeter
  • Dauer: 3-4 Stunden für den Aufstieg
  • Länge: 13 Kilometer
  • Schwierigkeit: schwer
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Pommer bei Astauwinkel in Annaberg
  • Einen GPS-Track gibt’s am Blog von Andi Riesner

Diese Ausrüstung war dabei

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