Skitouren Touren

Juwel: Skitour aufs Watzmann Hocheck

Nur selten ist sie möglich – die Skitour auf das Hocheck am Watzmann. Wir gehören diesen Winter zu den Auserwählten und stürzen uns auf die Perle der Frühjahrstouren.

Fotos: David Wallmann

Was für Taucher die Auster mit Perle ist, ist für Skibergsteiger rund um Berchtesgaden die Frühjahrstour aufs Hocheck.

Eine ganze Menge an Details muss perfekt ineinander greifen, damit eine Skitour auf das Watzmann Hocheck (2.651 m) überhaupt möglich wird: Es braucht eine solide Unterlage, die die schroffen Steine und Felsen entschärft. Außerdem ausreichend Schneefall in kurzer Zeit und das bei wenig Wind, damit die Gipfelflanke des Hochecks nicht sofort wieder entblößt wird.

Und dann müssen die Verhältnisse sicher sein. Am besten ist maximal ein Zweier gemeldet – denn oben am Hocheck und bei der Abfahrt durch die Watzmanngrube wird’s steil.

Innerhalb einer Woche Ende April spielt alles perfekt zusammen. Neuschnee in Pulverform fällt bis ins Tal, die Windspitzen bleiben im moderaten Bereich und nachdem die Schneedecke ein paar Tage geruht hat, beruhigt sich auch die Lawinensituation.

Jetzt oder nie! Wir verwerfen unsere Pläne, nach Südtirol zu fahren und machen uns auf den viel kürzeren Weg nach Berchtesgaden.

Von Hammerstiel auf das Watzmann Hocheck

David und ich sind früh dran. Um sechs Uhr stehen wir abmarschbereit am Parkplatz Hammerstiel zwischen Schönau und der Ramsau. Weggehen hätten wir auch von der Wimmbachbrücke können. Auf beiden Varianten läuft man sich zuerst auf dem Forstweg zur Stubenalm warm. Wir tun das mit Skiern am Rücken. Auf der Straße hat sich der Schnee nur kurz gehalten.

Nach 400 Höhenmetern verdichtet sich die Schneedecke. Wir schnüren die Trailrunning-Schuhe auf und die Skischuhe zu. Endlich können wir Höhenmeter auf Skiern machen. Die Route bringt uns durch eine Waldschneise hinauf auf die Watzmanngugl.

Der Wald lichtet sich. An den kahlen Ästen der Lärchen klammern die Reste des frisch gefallenen Schnees. Rund um uns tropft und taut es. Der zeitige Aufbruch, eine schlaue Entscheidung.

Auf der Watzmanngugl flacht das Gelände kurz ab. Die Gelegenheit, den Blick vom Hochkalter, zum Watzmannhaus und weiter zum Hohen Göll und Brett schweifen zu lassen.

Dann gehen wir zum finalen Anstieg auf das Hocheck über. Dieser zieht sich in Spitzkehren über den Westgrat rechts der Watzmanngrube empor.

Die Kanten unserer Skier nagen immer wieder am Fels. Ich gehe vorsichtig – will meinen Backland zu Saisonende nicht komplett zerstören. Falls überhaupt, wird das bei der Abfahrt erledigt.

Einige Male wechseln wir noch die Richtung, stellen Skier um und haben einmal den Hochkalter und einmal den Göll-Stock vor Augen.

Zweihundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels treffen wir auf den Verlauf des Sommerweges. Spitzkehren sind bald überflüssig. Eine lange Querung nach Rechts, ein kurzer Aufschwung und wir zelebrieren unseren Gipfelsieg am Watzmann Hocheck.

Eine Perle gefunden

Um kurz nach neun Uhr ist der Gipfelgrat bereits gut mit Tourengehern gefüllt. Lassen die Bedingungen am Hocheck endlich eine Besteigung zu, spricht sich das hier schnell herum – auf Mundpropaganda und diverse Social-Media-Postings zurückzuführen.

Zu verdenken ist es niemanden, dass man sich die fast 2.000 Höhenmeter auf den dritthöchsten Watzmanngipfel plagt. Die Aussicht, die Ausgesetztheit hier oben – bilderbuchreif.

Wie Haifischzähne ragen die Watzmannkinder aus dem tiefverschneiten Kar. Dicke Wechten und Spines überziehen die Ostwand des Watzmanns.

Im Tal schimmern bläulich-grün zwei Perlen des Berchtesgadener Landes: Der Königssee und der Obersee.

Viel Zeit verbringen wir nicht am Gipfel. Nachdem alles Wichtige gesehen und in Bildform festgehalten wurde, ziehen wir die Felle ab. Frischer Mai-Pulver lockt uns. Bis oberhalb der Watzmanngrube finden wir ihn in Reinform. Fluffig, locker, staubend!

Die Verhältnisse erscheinen uns sicher, größere Rutsche sind bereits abgegangen. So wählen wir die steilere Abfahrtsvariante durch die Watzmanngrube. Alternativ könnte man auch entlang der Aufstiegsspur zurück zur Gugl fahren.

In der Grube verwandelt sich der Pulver in einen fiesen Harschdeckel. Mit so wenigen Kurven wie möglich winden wir uns durch die Latschen vorbei zurück zur Aufstiegsroute.

In der Waldschneise hat die Sonne den Schnee während unserer Abwesenheit weiter bearbeitet. Im Schatten der Lärchen erwischen wir dennoch den ein oder anderen guten Schwung. Dann schmilzt uns der Untergrund unter den Füßen weg. An der Stubenalm stehen wir im Grünen.

Wir holen unsere Trailrunning-Schuhe hervor, die wir in der Zwischenzeit hinter einem Stein versteckt haben. Am späten Vormittag sind wir zurück am Auto. Eine weitere Perle des Skitourensports in der Tasche.

Tourdaten

  • Höhenmeter: 1.900
  • Länge: 8 Kilometer im Aufstieg
  • Dauer: drei bis fünf Stunden
  • Nicht für Anfänger geeignet

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