Skitouren Touren

Wedeln mit Watzmannblick: Skitour auf die Hohen Rossfelder

Die Skitour auf die Hohen Rossfelder ist eine der beliebtesten Panorama-Routen in Berchtesgaden. Eine fantastische Aussicht und eine noch bessere Abfahrt machen sogar den fehlenden Gipfel wett.

Um 7 Uhr drücke ich mit meiner Schulter umständlich die Haustür auf. In einer Hand die aufgefellten Skier, in der anderen die Tourenskischuhe. Eisige Morgenluft zieht mir entgegen. Ich werfe meine Ausrüstung in den Kofferraum, kratze schnell die Windschutzscheibe ab, hüpfe auf die Fahrerseite und drehe den Schlüssel im Zündschloss um. Mein Auto braucht eine gefühlte Ewigkeit, um anzuspringen. Kein Wunder – auf der Temperaturanzeige scheinen -20 Grad auf.

Zum ersten Mal überhaupt fahre ich mit Handschuhen Auto. Ganghebel und Lenkrad sind unfassbar kalt. Zitternd manövriere ich mich nach Berchtesgaden und weiter zum Parkplatz der Jenner-Bahn am Königssee. Dort treffe ich auf meine zwei Begleiterinnen für heute: Lucia und ihren Collie Leni. Gerade als es im Wagen angenehm warm wird, muss ich aussteigen.

Nachdem wir uns die Skischuhe angezogen haben, spüre ich meine Finger nicht mehr. Ich streife schon zum Hochgehen die Daunenhandschuhe über. Auch die Isojacke wird vorübergehend angelassen.

Über die Hochbahn zur Königsbachalm

Wir laufen uns auf der Skipiste warm und biegen nach etwa 400 Metern rechts auf die „Hochbahn“ Richtung Königsbachalm ab. Der schmale Weg verläuft entlang des Königsbaches, steigt nur gemächlich an und eröffnet immer wieder einen Blick auf den Watzmann und den Königssee.

Der einzige Nachteil: Die Hochbahn führt durch einen finsteren Graben. Der Wind pfeift hier unermüdlich vom Berg herab. „Gut, dass wir uns für den kältesten Tag des Jahres die schattigste Skitour Berchtesgadens ausgesucht haben“, scherzt Lucia.

Ich lächle ihr zustimmend zu. Die Strapazen werden sich lohnen. Die vergangenen Tage ist ausreichend Neuschnee gefallen. Kalter, lockerer Pulver wartet darauf, durchpflügt zu werden. Wir sind unter den ersten im Aufstieg. Unberührte Hänge, wir kommen!

Wir gehen zügig. Die eisige Luft bringt meine Lungen zum Brennen. Mein Atem gefriert an meinen Zöpfen. Bald hängen zwei Eiszapfen unter meinem Stirnband hervor. Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Königsbachalm. Der Weiterweg führt uns nicht geradeaus Richtung Stahlhaus und Jenner, sondern in einer großen Rechtskurve zur Priesbergalm.

Sonne? Es wäre an der Zeit!

Das Gelände wird jetzt weitläufiger, die Spur steigt etwas steiler an und flacht auf einem Plateau wieder ab. Hier ist es gefühlt nochmals um fünf Grad kälter. Mein Daumen friert sogar im Daunenhandschuh und die GoPro hat den Geist aufgegeben.

Dafür ist die Schönheit der Landschaft kaum in Worte zu fassen. Die Bäume sind von frischem Pulverschnee überzogen. Starr stehen sie in der kargen Winterlandschaft. Nebelfetzen hängen über unseren Köpfen. Der klare Himmel dahinter taucht die Landschaft in ein sanftes Blau. Bei jedem Schritt klirrt der Schnee unter den Fellen. Ich kann die Abfahrt kaum mehr erwarten!

Ein kurzer, steiler Aufschwung führt uns hinauf zur Priesbergalm. Hinter den Baumwipfeln blitzt der von der Sonne bestrahlene Watzmann hervor. Im Winterkleid sieht der Bergkoloss noch beeindruckender aus.

Den Wald verlassen wir jetzt endgültig und ziehen über einige Spitzkehren einen freien Hang empor. Ich kann es kaum fassen, dass es mir vergönnt ist, auf diese Art in den Tag zu starten.

Die Sonne macht sich weiterhin rar. Dafür lenkt die Landschaft von meinen mittlerweile gefrorenen Zehen ab. Der Blick reicht bereits bis ins Steinerne Meer hinein. Wenig später gelangen wir auf einen Grat. Von hier aus können wir endlich das Ziel unserer heutigen Tour einsehen.

Do kummt die Sunn!

Der obere Bereich der Hohen Rossfelder glänzt in der Sonne. Vor uns liegt der noch schattige Schlusshang. Bei unsicheren Lawinenverhältnissen sollte man auf ihn verzichten und am Ende des Grates den Rückweg antreten. Heute passen die Verhältnisse. Dennoch ist der Hang noch fast unberührt. Nur zwei Spuren ziehen in den Stiergraben hinab. Die Vorfreude auf die Abfahrt bringt unsere Augen zum Leuchten. 30 cm frischer Pulverschnee. Keine Wolke am Himmel. Im Tal lösen sich gerade die letzten Reste des Nebels auf. Hier heroben pure Einsamkeit. Eine Kombination, die man selten antrifft.

Drei Spitzkehren später tauchen wir ins Licht ein. Noch nie hat sich die Sonne auf meiner Haut so gut angefühlt. Ich krame meine Sonnenbrille hervor. Die Schneekristalle reflektieren das Sonnenlicht derart stark, mein Sichtfeld ist komplett überbelichtet.

Zwei Stunden und 30 Minuten nach unserem Aufbruch vom Parkplatz schnallen wir die Skier ab und drehen uns ungläubig im Kreis. Was für ein genialer Tag! Ich kann mich nicht entscheiden, welche Fassette des Panoramas ich zuerst in mich aufsaugen soll.

Wir stellen überrascht fest, dass es in der Sonne angenehm warm ist. Wahrscheinlich täuschen uns unsere Rezeptoren nach dem kalten Aufstieg einfach nur. Wir nehmen uns genügend Zeit, verweilen ein wenig und bereiten uns in Ruhe auf die Abfahrt vor.

Zum Frühstück: Wedeln mit Watzmannblick

Abfahrtsvarianten gibt es von den Hohen Rossfeldern mehrere. Klassisch wird in den Stiergraben oder entlang der Aufstiegsroute abgefahren. Da der Stiergraben schon verspurt ist und entlang der weiten Hänge zur Priesbergalm noch niemand abgefahren ist, entscheiden wir uns für zweitere Variante.

Die Pins meiner Bindung rasten in den Schuh ein, die Sonnenbrille sitzt, das Abfahrtslächeln ebenfalls. Tief einatmen, ein schwungvoller Stockschub und los geht die wilde Fahrt!

Ich rase dem Watzmann entgegen. Das Klirren des Schnees sorgt für die musikalische Untermalung meiner Powder-Schwünge. Mir entkommt ein lauter Juchitzer. Neidische Blicke aufsteigender Tourengeher treffen mich. Die perfekten Bedingungen setzten sich bis zur Königsbachalm fort.

Normalerweise würde man hier zum Jenner aufsteigen, um nicht entlang der Hochbahn abfahren zu müssen. Mit bleibt leider keine Zeit mehr, weil ich in einer Stunde in der Arbeit sein muss. So schlittere ich die letzten Höhenmeter auf dem schmalen Weg zurück zum Parkplatz. Fast hinter jeder Kurve lauern aufsteigende Tourengeher. Mehr als einmal muss ich einen Satz zur Seite machen, um nicht zu kollidieren. Der Ansturm auf die Hohen Rossfelder hat gerade erst begonnen.

Tourdaten

  • Höhenmeter: 1.400
  • Distanz: 7,5 Kilometer im Aufstieg
  • Dauer: Zwei bis vier Stunden auf die Hohen Rossfelder

6 comments on “Wedeln mit Watzmannblick: Skitour auf die Hohen Rossfelder

  1. Super schöne Fotos!! Besonders das von der Hütte mit den Wolken, wo die Sonne gerade schon auf den gegenüberliegenden Berg scheint … und dann das über „Do kummt die Sunn“!! 🙂

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  2. Hallo Susi,

    wie immer ein toller Artikel 😉 richtig mitreißend geschrieben, da will man selbst gleich raus in die Berge und bekommt Sehnsucht nach weiß verschneiten Gipfeln…
    und diese traumhaften Bilder dazu, ich liebe es über die Wolkendecke zu blicken!

    Jetzt bin ich gerade erst aus dem Zillertal abgereist und hab schon wieder Bergsehnsucht 😉 Ich glaub ich such mir jetzt gleich mal eine Tour fürs Wochenende raus!

    Weiter so und Berg heil!
    Grüße aus dem Almenland Vanessa von http://www.dancing-on-clouds.at

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    • Hey Vanessa,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Welche Tour ist es bei dir am Wochenende geworden? 🙂

      Viele Grüße aus Osttirol,

      Susi

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  3. Eine tolle Tour mit super Fotos 👍

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