Biken Touren

Mit dem Mountainbike um den Dachstein

Unerwarteter Gegenverkehr und ein fataler Zusammenstoß. Das geschah, als ich mit dem Mountainbike um den Dachstein fuhr.

Majestätisch liegt der Dachstein im Herzen Österreichs, zwischen den drei Bundesländern Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark. Mit 2.995 Metern Höhe gehört er zu den höchsten Bergmassiven Österreichs. Auch viele Abschnitte der Dacchsteinumrundung sind rekordverdächtig. So führt etwa die Salzkammerguttrophy, ein bekanntes Mountainbike-Rennen, über Teile des Rundwegs.

Die Strecke der Dachsteinumrundung ist in vier Schwierigkeitsgraden angelegt. Dadurch lässt sich für jedes Niveau eine passende Variante um den höchsten Berg der Steiermark finden.

Dachsteinrunde_Karte

Als ich mir letztes Jahr in den Kopf gesetzt hatte die Dachsteinrunde mit dem Mountainbike zu fahren, hätte ich nicht gedacht, dass es so ein großes Abenteuer wird.

Versuch Nr. 1 aka „Wo kommt denn der Gegenverkehr her?“

Es ist 5 Uhr morgens. Draußen ist es kühl und die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen. In der morgendlichen Einsamkeit starten wir die Dachsteinumrundung. Wir folgen der sanft ansteigenden asphaltierten Straße nach links Richtung Gosau. Schon bald erreichen wir die Baumgrenze und uns eröffnet sich der Blick auf das Tennengebirge. Sogar bis zum Hohen Göll, Watzmann und Untersberg kann man von hier aus blicken. Wir passieren vereinzelte Häuser und Bauernhöfe bevor unsere Reifen endlich Schotter zum Greifen bekommen.

Die Schotterstraße windet sich abwechselnd bergauf und bergab durch den Wald. Dafür können wir jetzt immer häufiger einen Blick auf den Gosaukamm und den Dachstein erhaschen. Trotz der frühen Stunden sind schon einige Wanderer unterwegs. Dann müssen wir die Bundesstraße queren, bevor der letzte Anstieg und die Abfahrt nach Gosau erfolgt.

Am Gosaubach entlang bahnen wir uns den Weg zum Vorderen Gosausee. Dort angelangt legen wir eine kurze Pause ein. Es ist 9 Uhr morgens und angenehm warm. Vom Gosausee zieht eine Schotterstraße hoch zur Rossalm. Frisch gestärkt, fliegen die Höhenmeter nur so dahin. Auf einmal kommt uns ein zunehmend größer werdender Strom aus Mountainbikern mit Startnummern entgegen. Anscheinend sind wir unfreiwillig in ein Mountainbikerennen gelangt. Langsam arbeiten wir uns am Rand der Straße weiter nach oben, bis wir eine Verpflegungsstation erreichen. Mit vorwurfsvollen Blicken werden wir aufgeklärt, dass hier gerade die Salzkammerguttrophy stattfindet. Vollkommenes Unverständnis darüber, dass wir das nicht wissen. Vorsichtig fragen wir nach einer Ausweichstrecke nach Hallstatt. Das führt aber nur zu weiteren verständnislosen Blicken.

Also versuchen wir mit Hilfe der Karte eigenständig einen Weg zu finden. Eine kleine Seitenstraße wirkt sehr vielversprechend. Wir vermuten dort, einen kleinen Weg nach Hallstatt zu finden. Der Weg erweist sich aber als alles andere als gut. Er führt über matschige zerfurchte Almwiesen und endet in extrem steilen Spitzkehren. Fahren ist unmöglich und schieben extrem anstrengend. Vollkommen entnervt treffen wir trotz allem wieder auf die Strecke der Salzkammerguttrophy.

Wir unterhalten uns mit den hier anwesenden Bauern. Sie sind gekommen, um die Fahrer anzufeuern und ihnen Wasser zu reichen. Wir erfahren, dass die einzige Strecke nach Hallstatt durch hunderte Fahrradfahrer führt, die uns wie eine wilde Vogelschar entgegengeflogen kommen. An dem Punkt ist uns klar, unser Zeitplan ist futsch. Zeit, den Rückzug anzutreten und es ein anderes Mal zu probieren.

Neuer Versuch, neues Glück

Mittlerweile ist es Mitte August und wir wagen einen zweiten Versuch. Man merkt bereits, dass es bald Herbst wird. Draußen ist es noch kühl und das Tal ist mit dicken Nebelschwaden gefüllt. Dafür kommen wir schnell voran. Schließlich kennen wir den Weg aus dem ersten Versuch.

Noch ist es draußen ruhig und keine Menschenseele zu sehen. Aber dieser Eindruck trügt. Auf der Abfahrt nach Gosau der Schock: Hinter einer Kurve steuert der Jeep eines Förster auf mich zu. Ich versuche noch so gut wie möglich zu bremsen, aber einen Aufprall kann ich nicht mehr vermeiden. Schockstarre. Langsam schäle ich mich von der Motorhaube und überprüfe meinen Körper. Alles heil. Der nächste Blick gilt meinem Mountainbike, auch dem scheint nichts passiert zu sein. Dafür klafft in der Motorhaube eine riesige Beule. Der Förster und mein Kumpel sind sichtlich erschüttert. Beide vergewissern sich mehrmals, ob mir wirklich nichts fehle. Nachdem der erste Schreck verdaut ist, tauschen wir alle wichtigen Daten aus. Und wir radeln weiter zum Vorderen Gosausee.

Vom Gosausee geht es weiter zur Rossalm. Diese erreichen wir diesmal ohne größeren Gegenverkehr. Nach der Rossalm geht es ein paar sehr steile Meter bergauf, bevor die Abfahrt nach Hallstatt folgt. Den Schreck vom Morgen wieder vergessen, genießen wir die Abfahrt. In Hallstatt genehmigen wir uns eine kurze Mittagspause.

Von Hallstatt nach Bad Goisern verläuft die Strecke recht unspektakulär über die Bundesstraße. Am Ende von Bad Goisern zweigt der Weg, endlich wieder in den Wald ab. So gut wie die Streckenführung auf den letzten Streckenabschnitten war, so schlecht ist sie hier. Wir verfransen uns mehrmals, müssen ständig anhalten und die Karte studieren, bis wir endlich den richtigen Weg finden. Das kostet uns einiges an wertvoller Zeit.

Um 18 Uhr erreichen wir schließlich Bad Aussee, müde vom langen Tag, den vielen Kilometern und  Höhenmetern. Ein Zimmer haben wir nicht reserviert, deshalb fangen wir an zu suchen. Leider ist unsere Suche vollkommen erfolglos. Egal ob in Bad Aussee, Altaussee oder Grundsee. Alles ausgebucht! Nach drei Stunden Suche, ist es draußen dunkel und kalt. Wir haben Hunger und Durst. Aber vor allem sehnen wir uns nach einer warmen Dusche und einem weichen Bett. Auf beides müssen wir heute Nacht verzichten. Was eben noch ein Witz war, wird jetzt zur Realität: Notgedrungen suchen wir Schutz in einer Sparkassenfiliale. Ein komisches Gefühl haben wir dabei schon, eine andere Wahl leider nicht.

Die Nacht auf dem flauschigen Fußabtreter der Sparkasse Altaussee, war alles andere als erholsam. Die Knochen schmerzen und wir fühlen uns matt und kraftlos. Unser nächstes Ziel: die nächste Tankstelle. Mehrere Tassen heißen Kaffees lassen unsere Lebensgeister erwachen. Mit der wiedergewonnen Energie starten wir auf die zweite Etappe. Auf geht’s nach Bad Mitterndorf.

Von Bad Mitterndorf schraubt sich die Forststraße zwischen Dachsteingebirge und Grimmig nach Gröbming. In Gröbming folgen wir dem Ennstal Richtung Ramsau. Die Schönheit der Landschaft lenkt von der Plagerei ab. Nach der letzten Nacht ist jeder Kilometer eine Qual. Am späten Nachmittag erreichen wir Filzmoos. Laut Plan soll der Weg jetzt vorbei an der  Bischofsmütze zurück ins Lammertal führen. Wir entscheiden uns aber den schnelleren Weg über die Bundesstraße zu nehmen, zu groß ist unsere Angst wieder im dunkeln ohne Licht fahren zu müssen. Mit dem Ausblick bald das Auto zu erreichen, fliegen die Kilometer entlang der Straße nur so dahin. Selten waren wir so glücklich, dass Auto zu erreichen. Endlich geschafft!

Fazit

Eine großteils super ausgeschilderte Mountainbikeroute, die für jedes Niveau etwas bereit hält. Facettenreich und mit gigantischer Aussicht. Ich werde nicht zum letzten Mal dort unterwegs gewesen sein. Seid gespannt, welche Abenteuer die Dachsteinumrundung in Zukunft noch für mich bereit hält.

Tourdaten

  • Dauer: 13 Stunden
  • Höhenmeter: 9.697 hm
  • Kilometer: 257 km
  • Karte und GPS: Findet ihr hier.

1 comment on “Mit dem Mountainbike um den Dachstein

  1. Pingback: Mit dem Rad von Salzburg nach Slowenien: 1. Etappe |

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