Bergtouren Touren

Frühstück auf dem Hohen Göll

Ein facettenreicher Berg, zwischen Bayern und Österreich, der schöner kaum sein kann.

Auf dem 2.522 Meter hohen Gipfel des Hohen Gölls verläuft die Grenze zwischen Österreich und Bayern. Er ist für Wanderer und Skitourengeher ein beliebtes Ausflugsziel. Die Variante über den Mannlgrat, mit Abstieg über den Schustersteig ist ein Genuss für all jene, die gerne mal ein wenig kraxeln und viel Luft unterm Arsch lieben.

  • Anfahrt: Von Berchtesgaden oder Marktschellenberg gelangt man auf die Roßfeldpanoramastraße
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Ofnerboden

Der Wecker zeigt 02:45 Uhr an. Seit Stunden wälze ich mich im Bett von einer Seite auf die andere und will einfach keinen Schlaf finden. Kurzerhand entschließe ich mich auf den Berg zu gehen. Den Mannlgrat auf den Hohen Göll, wollte ich sowieso schon lange ausprobieren. Schnell packe ich meine Sachen zusammen und um vier Uhr stehe ich am Parkplatz Ofnerboden.

Zur Dämmerung am Kehlsteinhaus

In der Einsamkeit der Nacht mache ich mich auf den Weg Richtung Kehlsteinhaus. Der Vollmond leuchtet hell, sodass ich meine Stirnlampe nur im Wald brauche. Ganz schön gruselig ist es alleine mitten in der Nacht durch den Wald zu spazieren. Bei jedem Geräusch zucke ich zusammen und bekomme Gänsehaut. Der Weg schlängelt sich in Serpentinen zum Kehlsteinhaus hoch. Je höher ich komme, desto häufiger kann ich einen Blick auf die friedlichen Lichter Berchtesgadens und Salzburgs werfen. Sogar der Untersberg ist im Licht des Vollmondes gut zu sehen.

Als ich das Kehlsteinhaus erreiche, fängt es gerade zu dämmern an. Er herrscht eine angenehme Ruhe. Ich genieße den Anblick der aufgehenden Sonne und warte darauf, dass es so hell wird, um ohne Stirnlampe auf den Mannlgrat starten zu können.

Sonnenaufgang am Mannlgrat

Vorbei am Gipfelkreuz des Kehlsteins mache ich mich auf den Weg. Im Tal ziehen Nebelschwaden entlang und langsam färbt die Sonne die Gipfel des Watzmanns und des Hochkalters golden. Der Weg wird holpriger und kreuzt mehrmals die Schulter des Grates. Zwischendurch führt der Weg in steilen Stufen aus Holzstreben hinunter. Dann muss ich mich durch einen Felsspalt zwängen, bevor der Beginn des Mannlgrats gekennzeichnet ist.

Leichtere Stücke wechseln sich am Grat harmonisch mit drahtseilversicherten und ausgesetzten Stellen ab. Dann kommt eine kleine Höhle, die ich durchkrabbeln muss. Eine wirklich witzige Abwechslung. Außer mir sind zu dieser Zeit nur ein paar Gämse unterwegs. Aus sicherem Abstand beobachten sie, wie ich den Grat entlang tänzle. Der Weg zieht jetzt nach rechts einen steilen drahtseilversicherten Kamin hinauf.

Den Grat lasse ich hinter mir und der Steig verläuft nun etwas weniger steil zum Sattel des Göllstocks. Gelbe Wegweiser markieren die Route Richtung Schustersteig und Hohem Göll. Ich folge dem breiten Sattel des Göllstocks und passiere einen Kamin, hier zweigt eine schwierigere Variante des Schustersteigs ab. Ein letztes Mal fällt der Weg ab, bevor es den letzten Gegenanstieg zum Hohen Göll hinaufgeht.

Zum Frühstück am Gipfel

Pünktlich zur Frühstückszeit um acht Uhr erreiche ich den Gipfel des Hohen Gölls. Immer noch in vollkommener Einsamkeit. Der Ausblick hier ist überwältigend. Wohlverdient genieße ich mein Frühstück und die gigantische 360°-Sicht. Wenn man hier Richtung Hohe Tauern blickt, hat man fast das Gefühl, ein Meer aus Bergen vor sich liegen zu haben, dessen Wellen wild in steinernen Gipfeln aufschlagen.

Der Wind weht kühl und schon bald fange ich an zu frösteln. Deshalb mache ich mich schon bald wieder auf den Rückweg.

Abstieg über den Schustersteig zum Purtschellerhaus

Ich folge dem Aufstiegsweg zurück zur Abzweigung Richtung Putschellerhaus. Der Weg fällt steil ab und ich muss mich häufiger an der stellenweise senkrechten Ostflanke an den Drathseilen runterhangeln. Nichts für schlechte Nerven. Dafür wird man mit einem sagenhaften Blick auf die Göll Ostwand und den Kuchler Kamm belohnt.

Mittlerweile kommen mir die ersten Wanderer entgegen. Nachdem ich bis jetzt keiner Menschenseele begegnet bin, empfinde ich diese fast als störend. Nachdem sich der Weg anfangs extrem steil und ausgesetzt präsentiert, wird er nun wieder flacher und einfacher. Er zieht über eine Schulter nach rechtes, bevor es in steilen Serpentinen bergab geht. Immer wieder sind kleinere Kletterstellen dazwischen. Schon bald erreiche ich das Purtschellerhaus und der Strom aus entgegenkommenden Wanderern verdichtet sich zusehens. Deshalb lasse ich das Purtschellerhaus schnell hinter mir und begebe mich auf den restlichen Abstieg zum Ofnerboden.

Tourdaten

  • Dauer: 8 Stunden
  • Höhenmeter: 1.500 hm
  • Kilometer: 13 km
  • Anmerkung: Der Mannelgrat und der Schustersteig erfordern, wie jeder andere Gebirgsgrat auch, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ängstliche können an den schwierigen Stellen ein Klettersteigset benutzen.

 

1 comment on “Frühstück auf dem Hohen Göll

  1. Geniale Runde in einem tollen Gebirgsstock. Ich muss da auch mal wieder hin.
    Göll und Watzmann stehen dieses Jahr endlich mal wieder auf der Liste.
    Schaun mer mal was sich ausgeht.

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

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